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Vortrag Hanke am Freitag

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<title>Michael Hanke: Erkenntnis und Interaktion</title>
<body bgcolor="#FFFFFF">

<center>
<h1>
<b>Erkenntnis und Interaktion<br>
</b>&Uuml;ber die Bedingungen erfolgreicher Kommunikation aus interaktionistischer,
sozioph&auml;nomenologischer und skeptizistischer Theorieperspektive</h1></center>

<center>
<h2>
Michael Hanke</h2></center>

<center>
<h3>
Departamento de Comunica&ccedil;&atilde;o Social<br>
UFMG - Universidade Federal de Minas Gerais<br>
Avenida Ant&ocirc;nio Carlos 6.627<br>
31.270-901 Belo Horizonte<br>
Brasil/Brasilien<br>
<a href="mailto:Hanke@fafich.ufmg.br">Hanke@fafich.ufmg.br</a></h3></center>

<p>&nbsp;
<br>&nbsp;
<br>

<p><a href="#mh1">1.&nbsp; Einleitung</a>
<br><a href="#mh2">2.&nbsp; Die interaktionistische Perspektive Meads</a>
<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="#mh21">2.1. Universalit&auml;t der Bedeutung</a>
<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="#mh22">2.2. Das Gespr&auml;ch aus interaktionistischer
Perspektive</a>
<br><a href="#mh3">3.&nbsp; Die sozioph&auml;nomenologische Perspektive
von Sch&uuml;tz</a>
<br><a href="#mh4">4.&nbsp; Gegen&uuml;berstellung</a>
<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="#mh41">4.1. Wechselseitige Kritik</a>
<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="#mh42">4.2. Gegens&auml;tze</a>
<br><a href="#mh5">5.&nbsp; Die skeptizistische Sichtweise Ungeheuers</a>
<br><a href="#mh6">6.&nbsp; Der Skeptizismus Juchems</a>
<br><a href="#mhs">Schluss</a>
<br><a href="#mhl">Literatur</a>
<br>&nbsp;
<blockquote align="justify">
<h3>
<font face="arial, helvetica, sansserif">Abstract</font></h3>
<font face="arial, helvetica, sansserif">If successful communication is
seen as based on a mutually shared and equal knowledge, the meaning of
the intention expressed by the speaker and the meaning understood by the
hearer has to be homogeneous. Juchems` theoretical outline, when pursuing
this question, is shown to be founded on two sources of modern communication
theory: George H. Mead`s interactionism and Alfred Sch&uuml;tz` social
phenomenology. Whereas for Mead meaning is universal in character and the
significant symbols constituting a universe of discourse have the same
or common meanings for all members of the group, amounting to the irrelevance
of the differences of the different perspectives, Sch&uuml;tz stresses
the subjective foundation of every act of sign interpretation, and consequently
their uniqueness and difference of perspective. Juchem, in his beginnings
founded on both authors, radicalizes the modest scepticism of his teacher
Ungeheuer, for whom communication implies fallibility, to a form of radical
constructivism, taking as a point of reference not society anymore, but
the monad. The contribution intends to represent and analyze these contexts.</font></blockquote>

<br>&nbsp;
<br>&nbsp;
<h2>
<a NAME="mh1" ID="mh1">1. </a>Einleitung</h2>

<p align="justify">Als Matrix jeder kommunikationswissenschaftlichen Er&ouml;rterung sprachlicher
Kommunikation ist nach einer Forderung Ungeheuers (1987:73) der dialogische
Partnerkontakt von Sprecher und H&ouml;rer zugrunde zu legen. Diese Gespr&auml;chst&auml;tigkeit
verlangt offenkundig eine auf Zeichen basierende Interaktion zwischen Sprecher
und H&ouml;rer, sowie eine Verstehenst&auml;tigkeit, bei der ausgehend
von dieser materiellen Basis ein Wissen &uuml;ber die vom Sprecher intendierte
Bedeutung entwickelt wird, von der also der H&ouml;rer eine Erkenntnis
entwickelt &uuml;ber das, was in dem fremden Bewu&szlig;tsein mit dem Gesagten
gemeint wird. Das Problem des Kommunikationsprozesses besteht mit den Worten
Juchems somit darin, dass der H&ouml;rer die &Auml;usserungen des Sprechers
auf solche Weise zu interpretieren hat, dass diese Bedeutungskonstruktion
der Intention des Sprechers ad&auml;quat ist (1990:3), verlangt also ein
gemeinsames Bedeutungsfundament (1989:67).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Offensichtlich ist bei erfolgreicher Kommunikation die <i>gemeinte</i>
und die <i>verstandene</i> Bedeutung als &uuml;bereinstimmend zu setzen.
Dieser Wissensaufbau stellt aus der Sicht sogenannter objektorientierter
Ans&auml;tze, die die Entwicklung von Bedeutung in die Kodierungsregeln
von Zeichensystemen verlegen (vgl. hierzu kritisch Posner 1993, Sperber/Wilson
1986:3ff.), kein Problem dar. Zu nennen ist hier nat&uuml;rlich das vielgeschm&auml;hte
informationstheoretische Code-Modell der Kommunikation, von Shannon/Weaver
inauguriert und von Saussure ableitbar, da hier der Informationsaustausch
durch den Bezug gesendeter und empfangener Signale auf einen gemeinsamen
Symbolvorrat sichergestellt wird. Die Bonner Kommunikationsforschung, vielleicht
eher als wissenschaftlicher Kreis denn als Schule im Sinne einer geschlossenen
Paradigmengruppe mit zusammenfassender Lehrdoktrin zu bezeichnen, hatte
hiergegen bereits fr&uuml;hzeitig Bedenken angemeldet; nach Richter, einem
anderen Jubilar dieser Tage<a NAME="footback1" HREF="#foot1"></a><b><sup><a href="#foot1" NAME="footback1">1</a></sup></b>,
geh&ouml;rte die Auffassung, dass die kommunikativen ,Botschaften` - "dar&uuml;berhinaus?";
also vielleicht doch auf der Grundlage eines gemeinsamen Symbolvorrates?
- zu einem erheblichen Teil aus dem Hintergrundwissen der Handelnden abgeleitet
sind, zu den Positionen der Bonner Kommunikationsforschung, mit denen diese
"schon fr&uuml;h" eine zentrale Differenz zur traditionellen Informationstheorie
und vorpragmatischen Linguistik markierte (1998:285). Bereits Ende der
f&uuml;nfziger Jahre hatte Meyer-Eppler divergierende sender- und empf&auml;ngerspezifische
Symbolfelder, sich auf B&uuml;hlers Zeichentheorie beziehend, in sein Kommunikationsmodell
eingebaut (1959/60:249ff.).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die theoretischen Impulse hierzu wurden u.a. getragen von Meads interaktionistischem
und Sch&uuml;tz` sozioph&auml;nomenologischem Ansatz, von Ungeheuer 1969
(gemeinsam mit B&uuml;hlers <i>Krise der Psychologie</i>) mit dem Pr&auml;dikat
einer vereinzelten, herausragenden Leistung kommunikationswissenschaftlicher
Analyse geadelt (1972:201). Bei beiden Autoren, mittlerweile jeweils in
den Rang eines soziologischen Klassikers aufgestiegen (und in Kaeslers
(1999) neuester Sammlung "Klassiker der Soziologie" wie auch in Juchems
Einf&uuml;hrung in die Semiotik (Juchem 1985b) mit einem je eigenen Beitrag
bedacht), handelt es sich in den einschl&auml;gigen Hauptwerken um die
Grundlegung und Vorbereitung eines kommunikationstheoretischen Paradigmas.
Vergegenw&auml;rtigt man sich, dass Mead mit seinem Symbolischen Interaktionismus
den Behaviorismus (Watson`scher Provenienz) und den Wundtschen Parallelismus
mit dem programmatisch zu Beginn von "Mind, Self, and Society" eingef&uuml;hrten
Argument korrigiert, der zu behandelnde Komplex sei vom Gesichtspunkt der
Kommunikation aus zu betrachten, Kommunikation also vom Standpunkt des
Sozialbehaviorismus erschliesst; und zudem, dass Sch&uuml;tz mit seiner
Hinwendung zu Problemen des Fremdverstehens, Zeichengebrauchs und Intersubjektivit&auml;t
(mit den Grundz&uuml;gen einer Theorie des Fremdverstehens in der &Uuml;berleitung
zum dritten Teil des Sinnhaften Aufbaus (1974:137)) die Interaktionsvergessenheit
von Husserls ph&auml;nomenologischen Ansatz aufs Programm setzt und damit
eine Abkehr der streng ph&auml;nomenologischen Betrachtungsweise der Konstituierung
von Sinn im einsamen Seelenleben vollzieht, sich der Kommunikation also
vom ph&auml;nomenologischen Ansatz her &ouml;ffnet, dann handelt es sich,
wenn wir Ungeheuers Beobachtung folgen, es h&auml;tten sich in - man muss
wohl jetzt sagen: seinem Jahrhundert (und das auch 1982 noch nicht beendet
war) zwei recht gegens&auml;tzliche Typen wissenschaftlichen Arbeitens
definiert (1987:298), und zwar Behaviorismus und Ph&auml;nomenologie, in
der Hinwendung zum Gegenstand der Kommunikation in diesen beiden Paradigmen
um eine Vorbereitung der Kommunikationswissenschaft. Dieser Hintergrund
soll unter dem Aspekt des Verstehens von Bedeutung ein St&uuml;ck weit
ausgeleuchtet werden.
<h2>
<a NAME="mh2" ID="mh2">2. </a>Die interaktionistische Perspektive Meads</h2>
<h3><a NAME="mh21" ID="mh21">2.1 </a>Universalit&auml;t der Bedeutung</h3>
<p align="justify">Meads "Interaktionsfreundlichkeit" ist eine Frucht seiner Kritik an
dominierenden individuumszentrierten Ans&auml;tzen der Psychologie seiner
Zeit. Seine Fragestellung ist jedoch nicht die nach der Funktionsweise
von Kommunikation, sondern nach den Entstehungsbedingungen von "mind" und
"self": "durch Kommunikation" ist die Antwort hierauf. Kommunikation erf&uuml;llt
demnach eine Funktion, und zwar die, individuelles Verhalten zu koordinieren,
und konstituiert auf diesem Wege Sozialit&auml;t; seine "Theorie der Urspr&uuml;nge
spezifisch menschlicher Kommunikation und Sozialit&auml;t" (Joas 1988:425)
ist mithin grunds&auml;tzlich kooperativ (1973:44) und nicht konflikt&auml;r,
w&auml;re auf Juchem anspielend zu erg&auml;nzen. Wie allgemein nach Meads
Sozialpsychologie das &uuml;bergreifende Ziel jeder Lebensform die Beherrschung
ihrer jeweiligen Umwelt ist (v. P&uuml;ckler 1999:385), so ist in dem hieran
ankn&uuml;pfenden Gedanken, dass der vom Menschen entwickelte Mechanismus
der sprachlichen Kommunikation dem Zweck dient, die Beziehung zu seiner
Umwelt kontrollieren zu k&ouml;nnen ("Language communication is the mechanism
worked out by the human animal to control the relationship of the organism
to the selected environment", 132f.), ein gewisser Erfolg dieses Unternehmens
bereits impliziert.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Gesichert wird dieser durch die von Mead so genannte "Universalit&auml;t
der Bedeutung", die gleichbedeutend ist mit der Identit&auml;t des Indizierten,
was in diversen Formulierungen explizit zum Ausdruck kommt: Universalit&auml;t
ist bezogen auf "die Irrelevanz der Unterschiede" (1973:129/1972:89); die
Gesten des als Reiz-Reaktions-Prozess beschriebenen Kommunikationsprozesses
l&ouml;sen eine "identische Wirkung auf uns wie auf andere" aus (1973:138);
das Symbol muss, um als solches zu fungieren, "universell" sein f&uuml;r
jede Person, die sich in derselben Situation befindet (1972:149); f&uuml;r
Kommunikation wird schliesslich als essentiell erachtet, dass der zeichensetzende
Organismus auf seine eigenen Gesten "in gleicher Weise" wie das durch die
Geste direkt beeinflusste Individuum reagiert (1972:81). Sprache ist das
Mittel, durch das Individuen sich gegenseitig anzeigen, welcher Art ihre
Reaktionen gegen&uuml;ber Gesten sein werden, and was somit deren Bedeutungen
sind (1972:122), und der von ihr ausgel&ouml;ste Reiz ist so beschaffen,
"dass er sich auf das sprechende Individuum ebenso auswirkt wie auf das
andere." (1973:108)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das Ausrufen "derselben Antwort" im Selbst und im Anderen ist ferner
die Basis f&uuml;r die "community of meaning". Diese Bedeutung ist objektiv
und universell, nicht subjektiv und individuell. Durch Kommunikation erfahren
wir, dass unsere Erfahrungen und die anderer universal sind, d.h. unter
die gleiche Kategorie fallen, allen gemeinsam und gesellschaftlich geteilt
sind.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Nur gegen&uuml;ber dieser sozial geteilten Welt kann sich eine private,
biographisch bedingt verschiedene Erfahrung etablieren (1973:72); und so
unterscheidet Mead zwar zwischen solchen privaten und individuell variierenden
Reaktionen und unver&auml;nderten. Aber nur den unver&auml;nderten "habituellen
Antworten" wird das Privileg der Bedeutung zugesprochen, denn sie "answer
to the meaning of things" (1972:126). "Meaning" ist gebunden an Universalit&auml;t,
und diese spiegelt sich in der "Identit&auml;t der Reaktion" (1973:166).
Offensichtlich wird hier ein Konzept der Identit&auml;t von Bedeutung als
kommunikatives Prinzip vertreten, wie es Juchem in seinem Buch Kommunikationssemantik
nachdr&uuml;cklich zur&uuml;ckweist (1998:8).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Zwar durchbricht Mead das Reiz-Reaktions-Schema durch seinen "semiotic
turn", bewahrt dabei jedoch das Element der Verhaltensregulierung, das,
da an der Reaktion des Organismus gemessen, auf Gleichf&ouml;rmigkeit der
Bedeutung gepolt ist, und nicht auf Unterschiede. Das behavioristische
Bedeutungskonzept erkennt den Gehalt einer Geste in der Antwort eines (anderen)
Organismus; so heisst es, dessen anpassende Reaktion sei die Interpretation
dieser Geste und mache ihren Sinn (oder Bedeutung) aus (1973:120), und
kurz und b&uuml;ndig: "Such a response is its meaning, or gives it its
meaning." (1972:145) Das von Mead gegebene Beispiel des Ausrufs "Feuer"
in einem gef&uuml;llten Theater und die darauf erfolgende Reaktion der
Flucht demonstriert diesen an der Gleichf&ouml;rmigkeit des Verhaltens
eben sozial-behavioristisch abgelesenen Bedeutungsbegriff, eine Situation,
die in der Tat keinen Raum zul&auml;sst f&uuml;r feingesponnene Differenzierungen
zwischen Bedeutungsnuancen, was denn der andere meine und ob das Verstandene
damit &uuml;bereinstimme.
<h3><a NAME="mh22" ID="mh22">2.2 </a>Das Gespr&auml;ch aus interaktionistischer
Perspektive</h3>
<p align="justify">Die Frage des Verstehens zweier interagierender Individuen im Gespr&auml;ch
wird aus interaktionistischer Perspektive folglich beantwortet mit dem
Konzept der vokalen Geste, von der beide als H&ouml;rer eine identische
Bedeutung entwickeln, wobei der Sprecher als H&ouml;rer seiner selbst agiert:
"for the reason of self-perception, the producer of the vocal gesture perceives
it identically as the partner". Die Gleichheit der Bedeutung ist eine Folge
dieser Spezifik der vokalen Geste, das der sie Hervorbringende sie in derselben
Weise wahrnimmt wie der Angesprochene, und die als gesellschaftlicher Reiz
"das sie gebrauchende Wesen auf die gleiche Weise beeinflusst, wie er es
beeinflussen w&uuml;rde, wenn er von einem anderen Wesen k&auml;me. Das
heisst, dass wir uns selbst sprechen h&ouml;ren k&ouml;nnen, wobei die
Bedeutung des Gesagten f&uuml;r uns die gleiche ist wie f&uuml;r andere."
(1973:101f.) Die Identit&auml;t der Bedeutung gilt demnach auch f&uuml;r
die Gespr&auml;chssituation.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mit dem erwachenden Interesse an der Rolle von sprachlichem Handeln
in Kommunikations- und Interaktionsprozessen Ende der 60er Jahre durch
die Gespr&auml;chs- und Konversationsanalyse fand Meads symbolischer Interaktionismus
ein - wie eingangs gefordert - gespr&auml;chsbezogenes Rezeptionsumfeld.
Aus dieser Perspektive des sozialen Interaktionismus (vgl. v. Rees 1992:11f.)
erscheinen Gespr&auml;che als soziales Verhalten auf der Basis der Mitgliedschaft
in sozialer Gemeinschaft und somit als kooperative Handlungen, wobei Sprechern
und H&ouml;rern gemeinsam geteilte Konventionen, Institutions- und dementsprechender
Regelvertrautheit deren Durchf&uuml;hrung zugrundeliegt. Gemeinsames Regelwissen
erm&ouml;glicht die Kooperation der Gespr&auml;chsbeitr&auml;ge, Zuschreibung
von Intentionen und Antizipationen von Reaktionen.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Zur Antizipation der Reaktion des H&ouml;rers, notwendig, um mit einer
Gespr&auml;chs&auml;usserung den intendierten Verstehenseffekt beim H&ouml;rer
zu erzielen, muss der Sprecher in der Lage sein, sich in dessen Rolle zu
versetzen, was mit dem "taking the role of the other" erkl&auml;rt wird.
Mit dieser Rollen- und Perspektiven&uuml;bernahme wird auch umgekehrt die
Erkennbarkeit der Sprecherintention auf H&ouml;rerseite erkl&auml;rt. In
einem Gespr&auml;ch, in dem Sprecher und H&ouml;rer durchgehend die jeweils
wechselseitigen Reaktionen und Intentionen antizipieren und ihr Verhalten
aneinander ausrichten m&uuml;ssen, um Kommunikation erfolgreich zu gestalten,
wird dies durch das gemeinsam geteilte Wissen um die Zugeh&ouml;rigkeit
zu spezifischen sozialen Gemeinschaften und den Regeln ihrer Institutionen,
unter diesen z.B. Sprache, erkl&auml;rt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Kommunikation wird also erm&ouml;glicht durch den Gebrauch gemeinschaftlich
geteilter (und eben nicht individueller) Regeln, wodurch Sprecher und H&ouml;rer
im Sinne Meads jeweils wechselseitig als "generalized other" ("verallgemeinerte
Andere") fungieren. Die Bedeutung, die einer &Auml;usserung "Schliesse
bitte das Fenster" zugeschrieben wird, ist demnach nicht zuf&auml;llig
und subjektiv; vielmehr wird jedem Sprecher und H&ouml;rer als ,generalized
other` eine mehr oder weniger identische (und intentionale) Bedeutung zugeschrieben.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Durch diese identische Bedeutung wird ein Symbol signifikant, und die
Entstehung von Bedeutung signifikanter Symbole wird erkl&auml;rt mit einer
"Hereinnahme des gesellschaftlichen Prozesses der Kommunikation in den
Einzelnen" ("It is the internalization within the individual of the social
process of communication in which meaning [of significant symbols] emerges."
(Morris 1972:XXII, dt. 1973:25)) Das Konzept von Bedeutung als Internalisierung
der gesellschaftlichen Handlung, the "importation of the social process
of communication into the individual by the medium of the vocal gesture."
(Morris 1972:XXII) ist eine Konsequenz von Meads behavioristischer Methode,
die sich nicht vom individuellen Bewusstsein zur Gesellschaft vorarbeitet,
sondern umgekehrt vom sozialen Prozess aus nach innen eine Internalisierung
annimmt. Das Verhalten eines Individuums kann nur verstanden werden in
Ableitung vom Verhalten der sozialen Gemeinschaft, der er angeh&ouml;rt;
das Ganze der Gesellschaft ist somit prim&auml;r gegen&uuml;ber dem Teil
des Individuums ("the whole (society) is prior to the part (individual)"
(1972:6f.)).
<h2>
<a NAME="mh3" ID="mh3">3. </a>Die sozioph&auml;nomenologische Perspektive
von Sch&uuml;tz</h2>
<p align="justify">Sch&uuml;tz` Ansatz ist Meads insofern diametral gegen&uuml;bergestellt,
als er sich nicht von der Gesellschaft zum Individuum, sondern umgekehrt
vom Individuum zur Gesellschaft vorarbeitet. Er hat dabei sowohl einen
subjektiv zentrierten und einen in den sp&auml;teren Arbeiten st&auml;rker
hervortretenden intersubjektiven Pol (Srubar 1988). Der Aufbau der sozialen
Welt, Gesellschaft also, setzt ein beim sinnhaften Handeln des Individuums,
und die Analysen zum subjektiven Sinn (M. Webers), die das sinnhafte Erleben
um die Ebene des inneren Zeitbewusstseins (mit Husserl und Bergson) vertiefen,
setzen diese Subjektivit&auml;t "bewusstseinsphilosophisch" als primordial
an. Zwar verlangt die "von vornherein intersubjektive Kulturwelt", in die
das Individuum hineingestellt ist, Interaktion und Kommunikation, weshalb
die Sozilit&auml;tsidealisierungen und Zeichentheorie entwickelt werden,
Br&uuml;ckenfundamente zwischen Individuum und Gesellschaft. Bezugsgr&ouml;sse
der Theorie bleibt jedoch stets das Individuum und dessen subjektives Bewusstsein;
und indem das Subjekt als autonome Gr&ouml;sse, das auf der Basis seiner
biographischen Situation und des daran gekoppelten Hintergrundwissens und
Relevanzsystems operierend in Rechnung gestellt wird, besteht Sch&uuml;tz
gegen&uuml;ber subjektentbundenen Objektivierungen, dem System, dessen
Struktur und Funktionsweise auf dem Unikat einer jeweiligen subjektiven
Bedeutungsinterpretation.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Da Kommunikation nicht sozialbehavioristisch vom &auml;usseren Verhalten
her konzipiert wird, sondern als Vorgang zwischen den Bewusstseinen von
ego und alter ego, ist das Fremdverstehen mit der Zug&auml;nglichkeit zu
diesem fremden Bewusstsein verbunden. Schon das eigene Bewusstsein ist
jedoch nur asymptotisch, reflektiv und im weiteren Sinne interessegeleitet
zug&auml;nglich, Erkenntnisgrenzen, die in die Situation von ego und alter
ego eingehen. Wird die subjektive Komponente wie bei Sch&uuml;tz voll in
Anschlag gebracht, m&uuml;ssen zudem gemeinte und verstandene Bedeutung
grunds&auml;tzlich divergieren. So ist dem Fremdverstehen "die fremde Dauer
in diskoninuierlichen Segmenten und niemals in Vollst&auml;ndigkeit, sondern
nur in ,Auffassungsperspektiven` vorgegeben" (1974:148), und der "gemeinte
Sinn" wesentlich subjektiv und "f&uuml;r jedes Du wesentlich unzug&auml;nglich,
weil er sich nur innerhalb des jemeinigen Bewusstseinsstromes konstituiert"
(1974:140), weshalb er niemals in der pr&auml;gnanten Bedeutung des Wortes
erfasst werden kann. "Was erfasst werden kann, ist immer nur ein ,N&auml;herungswert`
zu diesem Limesbegriff ,fremder gemeinter Sinn`, an welchen in unendlichem
Progress Ann&auml;herungen erfolgen k&ouml;nnen." (1974:150) Kommunikation
ist also der Bedingung eines erfolgreichen Erkenntnisprozesses unterworfen,
n&auml;mlich "richtiges" Wissen zu entwickeln &uuml;ber den vom fremden
Bewusstsein gemeinten Sinn, und diese Grunds&auml;tzlichkeit der Problematik
des Fremdverstehens reicht so weit, dass daraus auch das Methodenproblem
der Sozialwissenschaften resultiert.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das Verstehen von Zeichen, Grundlage f&uuml;r das Fremdverstehen, involviert
zwar eine objektive Bedeutungsebene, den objektiven Sinnzusammenhang des
Zeichensystems (Sch&uuml;tz/Luckmann 1979:121), verlangt jedoch dar&uuml;berhinaus
die Erfassung des subjektiv gemeinten Sinns sowie die okkasionelle oder
kontextuelle Bedeutung. Die objektive oder im Sinne Meads universale Bedeutung
bedarf einer situativen und subjektiven Komplettierung, d.h. die erg&auml;nzende
Betrachtung der Verwendung eines Zeichens <i>jetzt</i>, <i>hier</i> und
<i>in diesem Zusammenhang</i>, im Hinblick auf die sich &auml;ussernden
Personen und die Umst&auml;nde sowie den Gebrauchszusammenhang ihrer &Auml;usserung,
womit nicht auf das Allgemeine, sondern auf das Spezifische der Kommunikation
abgestellt wird. Und weil dieser subjektive Sinn letztlich durch das besondere
Wie der erfahrenden Akte konstituiert wurde (Sch&uuml;tz 1974:174), bleibt
der fremde gemeinte Sinn "auch bei optimaler Deutung ein Limesbegriff"
(1974:49). Da ferner jeder Akt des echten Fremdverstehens auf Akten der
Selbstauslegung des Verstehenden fundiert ist (1974:156), ein auch f&uuml;r
Juchem grundlegender Satz, der eine "unumg&auml;ngliche und notwendige
Bedingung der Bedeutungserstellung" zum Ausdruck bringt (1985 III:19) und
jede Konstruktion an die Bewusstseinsgrenzen des Handelnden bindet, damit
die Grenzen der Monade nicht &uuml;berschreitend, arbeitet Sch&uuml;tz
intentionalistisch vom inneren des Bewusstseins nach aussen, wobei Zeichentheorie
als Bindeglied zwischen Egologik und Intersubjektivit&auml;t an den &Uuml;berg&auml;ngen
zwischen der Welt des einsamen Ich des Individuums in die soziale Sph&auml;re
der Gesellschaft fungiert. Dies ist wie bereits erw&auml;hnt genau der
umgekehrte Weg Meads, der von aussen nach innen f&uuml;hrte.
<h2>
<a NAME="mh4" ID="mh4">4. </a>Gegen&uuml;berstellung</h2>
<h3><a NAME="mh41" ID="mh41">4.1 </a> Wechselseitige Kritik</h3>
<p align="justify">Neben Gemeinsamkeiten - so arbeiten nach Juchem (1985 I:37) beide Autoren
das interaktive Moment des Zeichenprozesses heraus - finden sich zwischen
Mead und Sch&uuml;tz auch grundlegende Unterschiede; beide Autoren &uuml;ben
demnach auch deutliche Kritik an der jeweils anderen Position, Mead freilich,
der 1934 starb, ohne Bezug auf Sch&uuml;tz` 1932 erschienen Sinnhaften
Aufbau.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mead ist der Gegensatz ("contrast") der von ihm vertretenen gesellschaftlichen
Theorie des Geistes zu individualistischen Ans&auml;tzen so bedeutsam,
dass er der Kritik letzterer ein eigenes Kapitel (29., 1973:266ff.) widmet.
Theorien (wie Meads), die den gesellschaftlichen Prozess als logische und
biologische Voraussetzung f&uuml;r das Auftreten der Identit&auml;t des
einzelnen Organismus nehmen, setzen f&uuml;r die Entwicklung von Geist
und Identit&auml;t eine gesellschaftliche Umwelt sowie ein Netz gesellschaftlicher
Beziehungen und Wechselwirkungen, insbesondere der Kommunikation mittels
Gesten notwendig voraus - und zwar ein funktionierendes, w&auml;re zu erg&auml;nzen.
Anders diesen gegen&uuml;berzustellende individualistische Theorien, die
die individuelle Identit&auml;t logisch und biologisch vor den gesellschaftlichen
Prozess stellen, und die Mead mit den Worten kommentiert, es sei "absurd",
Geist aus der Sicht des einzelnen menschlichen Organismus zu sehen, und
die D&uuml;rftigkeit einer individuellen Erfahrung, die von den Prozessen
der gesellschaftlichen Erfahrung isoliert wird, sei offenkundig (1973:174).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Meads Kritik ist gegen die traditionelle Individual-Psychologie gerichtet
(und gegen Cooley), jedoch ist hiermit Sch&uuml;tz` sp&auml;tere Position
durchaus miterfasst. F&uuml;r Mead setzt Gesellschaft notwendig Kommunikation
voraus; im Umkehrschluss, liesse sich erg&auml;nzen, belegt die Existenz
der Gesellschaft, dass die Kommunikation erfolgreich verl&auml;uft. Dar&uuml;berhinausgehende
Fragen sind philosophischer Art und werden aus einer sozialbehavioristischen
Sozialpsychologie verwiesen.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Auf eine Kritik am "Behaviorismus als soziologischer Methode" eines
seiner Lehrer, des &Ouml;konomen von Mises, hatte Sch&uuml;tz bereits im
Sinnhaften Aufbau hingewiesen (1932:277, 304).<a NAME="footback2" HREF="#foot2"></a><b><sup><a href="#foot2" NAME="footback2">2</a></sup></b>
Im Kontext der Streitfrage &uuml;ber den intersubjektiven Charakter von
Zeichen distanziert er sich sp&auml;ter von Meads (und Morris`) "behavioristischen
Thesen" (GA I:336), und im Aufsatz "On Multiple Realities" (1945) kritisiert
er Meads Ansatz in f&uuml;r Sch&uuml;tz Diktion ungew&ouml;hnlich scharfer
Weise, wenn er ihn (was im englischen Original deutlicher zum Ausdruck
kommt) als "rather incomplete and inconsistent attempt" (CP I:217) bezeichnet.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>"Der hier vertretene Standpunkt ist mit Meads Theorie des sozialen Ursprungs
des Selbst nicht vertr&auml;glich; noch l&auml;sst er sich mit seinem (modifizierten)
Behaviorismus, der ihn dazu verleitet, alle vorher genannten Ph&auml;nomene
[sc.: Handlung, Selbst, Erinnerung, Zeit und Wirklichkeit] im Sinne von
Reiz und Reaktion zu deuten, vereinbaren. James` ber&uuml;hmtes Kapitel
[Kap. 10 in den Principles of Psychology] [...] enth&auml;lt mehr Richtiges."
(GA I:248f.)
<h3><a NAME="mh42" ID="mh42">4.2 </a> Gegens&auml;tze</h3>
<p align="justify">Sch&uuml;tz geht es um den subjektiven Sinn ("the subjective meaning
man bestows upon certain experiences of his own spontaneous life" (CP I:210);
dieser entsteht durch einen konstruktiven Akt der Interpretation "innerhalb
unseres Bewusstseinsstroms" (GA I:240) und ist nur einem vom inneren Erleben
ausgehenden sozio-ph&auml;nomenologischen, nicht einem vom &auml;usseren
Verhalten ausgehenden sozio-behavioristischen Ansatz erschliessbar. F&uuml;r
Mead dagegen entsteht Sinn gerade "in den Akten lebend", da untrennbar
mit der Handlung verbunden, weshalb "Bedeutungen nicht subjektiv, nicht
privat, nicht geistig, sondern in der gesellschaftlichen Situation objektiv
gegeben [sind]." (Morris, in Mead 1973:24)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Wenn Wissenschaftler zur Veranschaulichung unterschiedlicher Theorien
auf &auml;hnliche Beispiele zur&uuml;ckgreifen, k&ouml;nnen Differenzen
in deren Behandlung erhellend sein (diese weisen durchaus eine gewisse
Uniformit&auml;t auf: Schreibtisch, ein Blatt Papier, ein Baum - aus dieser
Perspektive w&auml;re es durchaus reizvoll, die Geschichte des letzteren
zu verfolgen). Mead und Sch&uuml;tz, wie &uuml;brigens auch Juchem zur
Veranschaulichung der Morris`schen Differenz zwischen Designat und Denotat<a NAME="footback3" HREF="#foot3"></a><b><sup><a href="#foot3" NAME="footback3">3</a></sup></b>,
greifen auf den Hund zur&uuml;ck. Mead demonstriert die Universalit&auml;t
der Bedeutung wie folgt: "Wenn man also zu einer anderen Person &uuml;ber
einen Hund spricht, l&ouml;st man in sich die gleiche Reaktionsreihe aus
wie in einem anderen Menschen." (1973:111)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Sch&uuml;tz veranschaulicht am gleichen Beispiel die unterschiedlichen
Klarheits- und Bestimmtheitsstufen des Wissensvorrats wie folgt:
<blockquote align="justify">
<font face="arial, helvetica, sansserif">"Ein Hund, der auf der Strasse vorbeil&auml;uft, kann ein ,Hund` bleiben.
Wenn ich ein Brieftr&auml;ger bin, muss ich mir zumindest die bissigen
Hunde merken. Und wenn ich einen Hund besitze, werde ich ihn wohl unter
allen anderen Hunden wiedererkennen wollen." (Sch&uuml;tz/Luckmann 1979:184)</font><</blockquote>
<p align="justify">Die jeweiligen Erfordernisse der Situation verlangen, bei aller Einheit
der Erfahrung, unterschiedlich konkret bestimmte Typisierungen. Identit&auml;t
der Bedeutung also bei Mead, Pluralit&auml;t bei Sch&uuml;tz.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mead und Sch&uuml;tz erstellen mithin geradezu gegens&auml;tzliche Entw&uuml;rfe
f&uuml;r das Verh&auml;ltnis von Individuum und Gesellschaft und in dessen
Zuge auch der Kommunikation. Die Frage nach dem Gegenstandsbereich der
Sozialwissenschaft, so Sch&uuml;tz, verlangt die L&ouml;sung des Problems,
ob das gesellschaftliche Ganze dem Sein des Einzelnen vorgegeben und das
Individuum von der Gesellschaft abh&auml;ngig ist oder umgekehrt das gesellschaftliche
Ganze eine Synthesis einzelner menschlicher Individuen ist, deren Sein
allein Realit&auml;t zukommt. (Sch&uuml;tz 1974:11) Hatte Sch&uuml;tz diese
Frage nach dem Primat von Individuum oder Gesellschaft mit dem Individuum
beantwortet, so setzt Mead bei der Gesellschaft bzw. dem sozialen Handeln
an.<a NAME="footback4" HREF="#foot4"></a><b><sup><a href="#foot4" NAME="footback4">4</a></sup></b>
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Gegens&auml;tze lassen sich wie folgt pointieren: Sch&uuml;tz denkt
individualistisch und betont das Subjektive (des Sinns), Mead denkt kollektivistisch
und betont das Objektive (der Bedeutung); Sch&uuml;tz hebt das Partikul&auml;re
hervor, Mead das Universale; Sch&uuml;tz setzt das Erleben und (sozio-ph&auml;nomenologisch)
die innere Erfahrung prim&auml;r, Mead den sozialen Akt und (soziobehavioristisch)
das Verhalten. Mead erkl&auml;rt, warum wir alle verstehen, was gemeint
ist, wenn jemand darum bittet, das Fenster zu schliessen; Sch&uuml;tz erkl&auml;rt
uns, warum das Fenster f&uuml;r jeden von uns ein anderes ist, dass dieser
Raum und seine Gegenst&auml;nde Konstruktionsergebnisse unseres Bewusstseins
sind und ihre unterstellte Gleichheit Resultat einer Idealisierung, die
von unseren jeweiligen individuell verschiedenen Perspektiven abstrahiert,
diese jedoch nicht beseitigt. Mead spart die Frage, was Bewusstsein eigentlich
sei, aus, mit der Begr&uuml;ndung, sie sei keine psychologische Frage (1973:146);
Sch&uuml;tz erkl&auml;rt die Analyse der Bewusstseins zur Grundlage des
Sinnbegriffs.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Ungeheuer hat in einer Vorlesung, es mag erlaubt sein, dies hier aus
dem Ged&auml;chtnis zu zitieren, nach einer Darstellung seines Konzepts
von Individueller Welttheorie die Frage, wie denn bei so grunds&auml;tzlicher
Verschiedenheit individueller Wissensbest&auml;nde Kommunikation &uuml;berhaupt
m&ouml;glich w&auml;re, einger&auml;umt, es m&uuml;sse wohl auch so etwas
wie eine Soziale Welttheorie geben. Ich glaube, man kann Mead als Gew&auml;hrsmann
bem&uuml;hen f&uuml;r eine solche Soziale Weltheorie, die universale und
sozial geteilte Bedeutungen enth&auml;lt, w&auml;hrend Sch&uuml;tz mit
seinem subjektorientierten Entwurf die Individuelle Welttheorie und vor
ihrem Hintergrund subjektiv bestimmte Bedeutungen st&uuml;tzt.<a NAME="footback5" HREF="#foot5"></a><b><sup><a href="#foot5" NAME="footback5">5</a></sup></b>
<h2>
<a NAME="mh5" ID="mh5">5. </a> Die skeptizistische Sichtweise Ungeheuers</h2>
<p align="justify">Ungeheuer hat seine Kommunikationstheorie nicht als skeptizistisch bezeichnet;
jedoch ist seine Einsch&auml;tzung hinsichtlich des Erfolgs des Kommunikationsunterfangens,
zweifelsohne ein zentraler Punkt, dieser Art, weshalb ihre Kennzeichnung
als skeptizistische auch durch Juchem (1990:3f.) und Hess-L&uuml;ttich/L&uuml;scher
(1993:415, 428) in die Literatur eingef&uuml;hrt wurde.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Tradition des Skeptizismus, die in der Philosophie allgemein Erkenntnisprozessen
gegen&uuml;ber entwickelt wurde, befragt die M&ouml;glichkeit des Wissens
von der Aussenwelt. Gegen&uuml;ber solch einer universellen Variante stellen
eingeschr&auml;nkte Spielarten eines partiellen Skeptizismus einzelne Erkenntnisverm&ouml;gen
in Frage, z.B. Wissen &uuml;ber Fremdpsychisches zu erlangen (Grundmann/St&uuml;ber
1996:16), und da der auf den Kommunikationsprozess bezogene Wissensskeptizismus
eine l&auml;ngere Tradition aufweist, bezeichnet Sch&uuml;tz auch die Frage,
"wie Wissen von fremdem Bewusstsein m&ouml;glich ist", als ein "uraltes
Problem" (1971a:362). Sie ist, insofern sich der Kommunikationsprozess
"immer auch als Zeichenprozess und Zeichensituation darbietet" (Juchem
1985 I:46), mit der Geschichte der Semiotik insofern aufs Engste verbunden,
als die Zeichenproblematik "von jeher" einen Bestandteil der Wissenschaft
in Philosophie und Sprachwissenschaft bildet.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>In der Verteidigung seines gesellschaftlichen Ansatzes gegen&uuml;ber
individualistischen geht Mead auf ein Gegenargument zu seiner Position
ein. Zwar sei es richtig, "dass gewisse Erfahrungsinhalte [...] nur f&uuml;r
den jeweiligen Organismus und f&uuml;r niemand sonst zug&auml;nglich sind
und dass diese privaten oder ,subjektiven` (im Gegensatz zu &ouml;ffentlichen
oder ,objektiven`) Erfahrungsinhalte normalerweise als besonders eng mit
der eigenen Identit&auml;t verbunden oder als besondere Formen der Selbsterfahrung
angesehen werden." (Mead 1973:270) Diesen ausschliesslichen Zugang zu gewissen
Erfahrungen f&uuml;r den jeweiligen Organismus l&auml;sst er jedoch nicht
als Gegenargument gegen das gesellschaftliche Wesen der Identit&auml;t
gelten.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das von Mead attackierte Gegenargument stimmt nun aber ziemlich genau
mit Ungeheuers Bestimmung innerer Handlungen &uuml;berein, die bekanntlich
durch ihre privilegierte Erfahrbarkeit durch das handelnde Individuum ausgezeichnet
sind (1987:90).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Aus den Schwierigkeiten der hiermit verbundenen und grundlegenden Innen-Aussen-Dichotomie
resultiert Ungeheuers Skeptizismus gegen&uuml;ber der Funktionsf&auml;higkeit
des kommunikativen Mechanismus, den er mit dessen Fallibilit&auml;t auf
den Begriff bringt. Damit wird nicht die M&ouml;glichkeit geleugnet, kommunikativ
Wissen &uuml;ber fremdes Bewu&szlig;tsein zu erlangen, sondern, da&szlig;
es m&ouml;glich ist, &uuml;ber diesen Vorgang eine Sicherheit des Wissens
zu erlangen (womit es sich um eine "Skepsis zweiter Ordnung" (Grundmann/St&uuml;ber
1996:16) handelt, bei der angenommen wird, dass wir nicht wissen k&ouml;nnen,
ob wir Wissen haben). Das Prinzip der <i>Fallibilit&auml;t sprachlicher
Kommunikation</i> hebt nicht schlechterdings auf die m&ouml;gliche Fehleranf&auml;lligkeit
des Kommunikationsprozesses ab:
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"Kommunikative Fallibilit&auml;t bedeutet nicht, da&szlig; man im Prinzip
bei kruzialer Kommunikation nicht verstehen oder nur ann&auml;hernd das
Gemeinte erfassen kann ..."; -</font></blockquote>
<p>es
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"... bedeutet genau, da&szlig;, wenn man auch das Kommunikationsziel
erreicht, d.h. versteht, was mitgeteilt wurde, man dies nicht wissen kann,
weil es nicht feststellbar ist" (Ungeheuer 1978:14),</font></blockquote>
<p align="justify">meint also die Unsicherheit des hier&uuml;ber erlangbaren Wissens. Dass
kommunikative Sozialhandlungen hinsichtlich des Kommunikationserfolgs fallibel
sind heisst, dass "... es [...] im Prinzip kein gesichertes Wissen &uuml;ber
t&auml;uschungsfreies Verstehen des Gesagten (gibt)" (Ungeheuer 1987:320),
was uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r kruziale Kommunikationen gilt (d.h. solche,
"in denen das Sprechen, Mitteilen und Verstehen [...] weitgehend unabh&auml;ngig
von den sie umgebenden T&auml;tigkeiten und Erfahrungen zu leisten ist"
(ebd.:321), und deren Kommunikationserfolg nicht durch das Gelingen respektive
den Zusammenhang &uuml;bergeordneter Sozialhandlungen &uuml;berpr&uuml;fbar
ist, die Problemstellung nicht im sozio-perzeptiven Kontakt oder durch
ein kulturbedingtes Regelwerk zur Steuerung des kommunikativen Verhaltens
aufgel&ouml;st wurde). Dies f&uuml;hrt im Versuch, "eine Theorie besonders
der sprachlichen Kommunikation zu entwerfen" zu der Einsicht, "dass Kommunikationsst&ouml;rungen
nicht einfach nur negative Erscheinungen sind", sondern dass in jedem Kommunikationssystem
Anf&auml;lligkeiten f&uuml;r St&ouml;rungen ein systeminh&auml;rentes Moment
sind. Ungeheuers Skeptizismus ist der des Ingenieurs, der auf die Konstruktionsweise
des Kommunikationsapparates blickt und dessen Zeichenger&auml;t mit fachlichem
Blick f&uuml;r Konstruktionsschw&auml;chen f&uuml;r untauglich befindet,
die Identit&auml;t von gemeinter und verstandener Bedeutung zu garantieren.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Kommunikationsst&ouml;rungen begleiten daher, beherrschen gar sprachliche
Verst&auml;ndigungsbem&uuml;hungen, womit Ungeheuers Begriff des "Kommunikationskonflikts"
(1975:IX) umrissen ist. Damit sollen nicht zuf&auml;llige Fehler und St&ouml;rungen
erfasst werden, sondern "in der Natur des Menschen und dem Aufbau der Kommunikationssysteme"
begr&uuml;ndete systematische und daher irreparable Defekte. Das unzuverl&auml;ssige
Funktionieren zwischenmenschlicher Kommunikationsprozesse f&uuml;hrt zu
"Kommunikationskonflikten", eine Einsicht, die in der auf der Basis dieses
Begriffes entwickelten Arbeit von Richter/Weidmann (1975) und der kommunikationssemantischen
Untersuchung des "notwendig konflikt&auml;ren Charakters der Kommunikation"
(Juchem 1985) ihren Niederschlag und Fortf&uuml;hrung gefunden hat. Aus
dieser Sicht hat "Fehlkommunikation eine hohe Relevanz f&uuml;r die sozialen
Beziehungen" (Richter/Weidmann 1975:8) bzw. bilden Kommunikationskonflikte
ein bestimmendes Ph&auml;nomen der Kommunikation (Juchem 1985:2) und somit
eines ihrer unausweichlich mitgegebenen Konstruktionsmomente. Fallibilit&auml;t,
"als Formel der Skepsis gegen die M&ouml;glichkeit von ichgem&auml;sser
Sozialit&auml;t" (Richter 1998:305), enth&auml;lt die Behauptung eines
Rests grunds&auml;tzlicher Ungewi&szlig;heit im Wissen des kommunikativ
Gemeinten und sagt aus, da&szlig; gegen&uuml;ber dem Ideal sicherer Entscheidungen
&uuml;ber gelungenen Kommunikationserfolg (und Bedeutungs&uuml;berein-stimmung)
nur Ann&auml;herungen, d.h. nur Vermutungen und Hypothesen m&ouml;glich
sind, und da es sich um einen irreparablen Defekt handelt, der auch nicht
durch eine verbesserte Kommunikationspraxis zu beheben ist, folgt daraus
ein grunds&auml;tzlicher Skeptizismus hinsichtlich des Wissens- und Erkenntniserwerbs.
Dieser wird von Ungeheuer im Abschluss seines Aufsatzes "Vor-Urteile &uuml;ber
Sprechen, Mitteilen, Verstehen" als Skepsis gegen&uuml;ber der Vermehrbarkeit
von Wissen sowohl durch wissenschaftliche Forschung sowie f&uuml;r andere
Wissensbereiche au&szlig;erhalb der Wissenschaft, insbesondere f&uuml;r
menschliches Kommunikationshandeln, als Fallibilit&auml;t kruzialer Kommunikation
bilanziert (1987:338).
<h2>
<a NAME="mh6" ID="mh6">6. </a>Der Skeptizismus Juchems</h2>
<p align="justify">Dieser Absatz ist von Juchem in seinen Arbeiten wiederholt zitiert worden
(z.B. 1989:88), so dass er hier einen programmatischen Charakter erh&auml;lt.
Der damit zugleich perpetuierte Skeptizismus - und Juchem spricht eingangs
des von ihm verfassten Anhangs zu Ungeheuers Einf&uuml;hrung in die Kommunikationstheorie
(1990:3) von einer gewissen Skepsis hinsichtlich der Verstehensproblematik,
die sich in den theoretischen &Uuml;berlegungen niederschlagen werde, und
verortet Ungeheuers Skepsis als methodische, deren Bedingungen im Untersuchungsgegenstand
der Kommunikation angelegt sind (1990:4) - tritt hier jedoch offener, programmatischer
und provokativer zutage. Dass Verstehen ein "aussichtsloses Unterfangen",
"Verst&auml;ndigung" als problematische erscheint, das Gespr&auml;ch "eine
koordinierte St&ouml;rung" (als Frage formuliert), der "Charakter der Kommunikation"
ein notwendig konflikt&auml;rer sei, der "als Simulation" einen monadischen
Hintergrund der "Konstruktion und Unterstellung" aufweist - dies sind &Uuml;berschriften,
die aus dem Literaturverzeichnis ins Auge springen (Juchem 1985 (a), 1989
(b), 1991, 1998 (a), 1998 (c), Juchem/Schmitz 1982).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Radikalisierung des Skeptizismus richtet sich bei Juchem vor allem
gegen die Identit&auml;t des Bedeutungsbegriffs, sich dabei auch auf &auml;ltere
Autoren berufend, z.B. wenn mit Wegener die "Gleichheit der Bedeutung"
in Abrede gestellt wird. Indem Juchem sich konsequent und hartn&auml;ckig
jeder kontextentbundenen Systematisierung der Bedeutung (von Zeichen) verweigert,
wird deren Allgemeinheit als Konstruktion ausgewiesen ("Bedeutung ist jedesmalig,
einmalig und konkret, konstruiert von einem Bewusstsein, das als Konstruktionsbedingungen
nur die monadischen Bedingungen seiner selbst hat", seinen Erfahrungshintergrund
"als ver&auml;nderliches Ungef&auml;hr-Wissen &uuml;ber die m&ouml;gliche
Welt des Subjekts" (1989:68)). Mit dem Fehlen einer allgemeinen Bedeutung
- die eindeutige Bestimmbarkeit der Sprache, das "eins seyn" wird mit Lambert
als Hypothese ausgewiesen (1989:55) - entf&auml;llt auch die Grundlage
des Verstehens, das an die Erkennbarkeit der inneren Handlungen des anderen
gebunden wird (1989:81), eine Bedingung, die nur Verst&auml;ndigung "als
Alltagskompromiss" zul&auml;sst auf der Basis einer unterstellten Bedeutungsgleichheit
(1989:84). Sprachliche Kommunikation wird als elliptisch bezeichnet, d.h.
dass Vollst&auml;ndigkeit und der genaue Nachvollzug des in sprachlichen
Formulierungen Gemeinten (1989:27) nicht erreichbar ist; Sprache als Medium
des Kommunikationsprozesses ist unsicher sowohl als Mittel der Erkenntnisgewinnung
als auch der Mitteilung (28); aufgrund des konjekturalen Grundzuges der
Kommunikation stehen Sprecher und H&ouml;rer keine untr&uuml;glichen &Uuml;berpr&uuml;fungskriterien
f&uuml;r das Eintreten semantischer Gleichheit des Gemeinten zur Verf&uuml;gung
(52). Konsequenterweise erfolgt auch (1989) eine Distanzierung von Mead
(74) und dessen eingangs dargestelltem interaktionistischen Ansatz.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Bekanntlich war J&uuml;rgen Habermas ein prominenter Wegbereiter der
Meadschen Theorie, indem er auf die semiotische &Uuml;berlegenheit seiner
Kommunikationstheorie und seine Fruchtbarkeit f&uuml;r sozialisationstheoretische
Forschung hingewiesen hatte, ehe er in seinem Hauptwerk Theorie des Kommunikativen
Handelns (1981) auf Mead eingeht und diesen zu einem der Inspiratoren des
Paradigmenwechsels "von der Zweckt&auml;tigkeit zum kommunikativen Handeln"
erkl&auml;rt. Kann bei Ungeheuer noch von "bewussten Spitzen gegen die
Habermas-Rezeption" (Richter 1998:305) gesprochen werden, die auf den verschiedenen
Ausbau der individuellen Weltheorien abhebt und kommunikative Subjektion
gegen herrschaftsfreie Kommunikation ausspielt (Ungeheuer 1987:318), so
bildet eine harrsche Kritik an Habermas den Auftakt von Juchems Kommunikationssemantik
(1998). Stein des Anstosses ist die von Habermas vertretene Konstituierung
identischer Bedeutungen, die offenkundig Meadscher Provenienz ist ("dass
beide Subjekte eine Erwartung zugleich von ihrer eigenen Position und von
der des anderen aus identifizieren und erwarten k&ouml;nnen" (Habermas
1971b:193, zitiert von Juchem 1998:8)) und der offensichtlich gleichfalls
kritisierten Symmetrieannahme der idealen Sprechsituation (1989:51) zugrundeliegt,
wogegen Juchem paradigmatisch f&uuml;r das Buch die Ungeheuersche Subjektion
zur St&uuml;tzung seiner eben erw&auml;hnten Habermas-Kritik setzt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die intersubjektive Voraussetzung der Gesellschaft, die in der Kommunikation
ihre konkrete Auspr&auml;gung hat, ist demnach schon von ihren Bedingungen
her konflikt&auml;r angelegt wegen der Innen-Aussen-Dichotomie und der
dadurch erforderlichen Koordinierung innerer Handlungen zwischen Sprecher
und H&ouml;rer, woraus, an Ungeheuer anschliessend, Irrtums- und T&auml;
schungsanf&auml;lligkeit, Fallibilit&auml;t also, resultiert.
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"Menschliche Kommunikation als der Zeichenprozess par excellence ist
unter dem Gesichtspunkt der Verst&auml;ndigung immer ein Kompromiss." (1985
III:27)</font></blockquote>
<p align="justify">Hier sollen die &Uuml;berlegungen Juchems jedoch nicht weiter ausgebreitet
werden, schliesslich sind sie in diesem Kreis als bekannt vorauszusetzen
und zudem von ihm selbst kompetenter dargestellt.
<h2>
<a NAME="mhs" ID="mhs">Schluss</a></h2>
<p align="justify">Das Kommunikationsproblem war eingangs mit der "Ad&auml;quatheit" sprecher-
und h&ouml;rerseitiger Bedeutung verbunden worden; dabei werden die Bedingungen
erfolgreicher Kommunikation in den angesprochenen Ans&auml;tzen verschieden
eingesch&auml;tzt. Bedient sich der vielleicht optimistisch zu nennende
Interaktionismus des Arguments gemeinschaftlich geteilter Bedeutungen und
reklamiert deren Universalit&auml;t, so treten Bedeutungsdifferenzen dagegen
dann hervor, wenn die Subjektivit&auml;t der Perspektiven hervorgehoben
wird, was schliesslich zu einen Skeptizismus unterschiedlichen Grades hinsichtlich
der M&ouml;glichkeit identischer Bedeutungen f&uuml;hrt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Individuelle Welttheorie, die bei Ungeheuer st&auml;rker ph&auml;nomenologisch
ausgebaut ist, und die bei Richter in der systemtheoretischen Situationstheorie
der Bedeutung eine eher psychologische Pr&auml;gung erfahren hatte, erh&auml;lt
in der personellen Erfahrungstheorie bei Juchem eine radikalkonstruktivistische
Wendung. Wie bei Mead, Sch&uuml;tz und Ungeheuer nimmt die Zeichenproblematik,
wenngleich mit je unterschiedlicher Perspektivierung, auch bei Juchem eine
festen Stellenwert ein, hier mit einer philosophischen, erkenntnistheoretischen
Wendung. Durch ihren Zeichencharakter wird Kommunikation zu einem Erkenntnisproblem;
und da eine philosophische Erkenntnistheorie nur in Auseinandersetzung
mit skeptischen Argumenten m&ouml;glich ist, die die M&ouml;glichkeit des
Wissens allgemein leugnet (Grundmann/St&uuml;ber 1996:10), f&uuml;hrt der
erkentnistheoretische Skeptizismus hinsichtlich des Erkenntniserwerbs auf
der Basis von Zeichen dazu, Verstehen aus dem Kommunikationsprozess auszuschliessen
und nur Verst&auml;ndigung zuzulassen (1985 III:22ff.). Hatte Ungeheuer
bei Fallibilit&auml;t Verstehen nicht ausgeschlossen und seine Skepsis
(2. Ordnung) auf dessen &Uuml;berpr&uuml;fung gerichtet, so erweitert Juchem
die Skepsis auf den zeichenbasierten Wissenserwerb und gegen&uuml;ber der
Identit&auml;t von gemeinter und verstandener Bedeutung, eine limitierende
Grundbedingung, der erfolgreiche Kommunikation stets und grunds&auml;tzlich
unterworfen ist.
<h2>
<a NAME="mhl" ID="mhl">Literatur</a></h2>

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<hr><a NAME="foot1" HREF="#footback1"></a><a href="#footback1" NAME="foot1">1</a><b><sup>#</sup></b>
Siehe hierzu die entsprechende Festschrift, herausgegeben von Hess-L&uuml;ttich/Schmitz
(2000).
<p><a NAME="foot2" HREF="#footback2"></a><a href="#footback2" NAME="foot2">2</a><b><sup>#</sup></b>
Allerdings bleibt die Distanzierung vers&ouml;hnlich insofern, als Sch&uuml;tz
selbst einen Gleichklang herstellt zwischen dem von ihm aufgestellten Begriff
des habituellen Typus und dem "behave" oder "habit" als "Invariantsetzung
der &auml;usseren Verhaltensweisen oder Handelnsabl&auml;ufe".
<p><a NAME="foot3" HREF="#footback3"></a><a href="#footback3" NAME="foot3">3</a><b><sup>#</sup></b>
"Das Designat steht f&uuml;r eine Klasse von Elementen (z.B. das Wort `Hund',
das alle konkreten Hunde, aber auch alle toten und noch zur Welt kommenden
Hunde bezeichnet." Das Denotat bezieht sich hingegen auf ein Element dieser
Klasse (das ein Zeichen denotiert): ("Das Wort `Hund' bezeichnet die Klasse
aller Hunde, es wird aber auch verwendet, um einen konkreten Hund zu bestimmen
..."), woraus folgt, dass jedes Zeichen designiert, aber nicht jedes Zeichen
ein Denotat hat ("Einhorn"). (1985 I:31)
<p><a NAME="foot4" HREF="#footback4"></a><a href="#footback4" NAME="foot4">4</a><b><sup>#</sup></b>
Meads Mitschriften (1934) h&auml;tten einer fr&uuml;hen Rezension zufolge
der entwicklungslogischen Rangfolge entsprechend "Society, Self, and Mind"
genannt werden m&uuml;ssen (v. P&uuml;ckler 1999:382); gleichwohl ist,
wie Jonas ausf&uuml;hrt, Meads Beitrag nicht als schlichte Umdrehung des
Verh&auml;ltnisses von Individuum und Kollektiv - nun zu Gunsten des Kollektivs
- zu verstehen, sondern eher als Fokussierung interpersonaler Handlungsprobleme
(1988:424; zum Handlungsbegriff vgl. auch v. P&uuml;ckler (1999)).
<p><a NAME="foot5" HREF="#footback5"></a><a href="#footback5" NAME="foot5">5</a><b><sup>#</sup></b>
Diese Differenz von individueller und sozialer Welttheorie korrespondiert
mit derjenigen Nicolai Hartmanns (Das Problem des geistigen Seins, 1933,
S. 261) zwischen Bewusstsein und Geist. Bewusstsein ist an das Individuum
gebunden, entsteht und vergeht mit ihm. "Niemand kann sein Bewusstsein
oder auch nur dessen einzelne Akte weitergeben. Niemand kann auch mit dem
Bewusstsein dem andern in das seinige eindringen. Das Bewusstsein isoliert
die Menschen, jeder hat seines f&uuml;r sich, unvertauschbar, un&uuml;bertragbar."
Der Geist dagegen ist allen gemeinsam; sein Gehalt ist objekt und verbindet
die Menschen mit seinem expansiven Wesen.
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