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Vortrag Hanke am Freitag
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<title>Michael Hanke: Erkenntnis und Interaktion</title>
<body bgcolor="#FFFFFF">
<center>
<h1>
<b>Erkenntnis und Interaktion<br>
</b>Über die Bedingungen erfolgreicher Kommunikation aus interaktionistischer,
soziophänomenologischer und skeptizistischer Theorieperspektive</h1></center>
<center>
<h2>
Michael Hanke</h2></center>
<center>
<h3>
Departamento de Comunicação Social<br>
UFMG - Universidade Federal de Minas Gerais<br>
Avenida Antônio Carlos 6.627<br>
31.270-901 Belo Horizonte<br>
Brasil/Brasilien<br>
<a href="mailto:Hanke@fafich.ufmg.br">Hanke@fafich.ufmg.br</a></h3></center>
<p>
<br>
<br>
<p><a href="#mh1">1. Einleitung</a>
<br><a href="#mh2">2. Die interaktionistische Perspektive Meads</a>
<br> <a href="#mh21">2.1. Universalität der Bedeutung</a>
<br> <a href="#mh22">2.2. Das Gespräch aus interaktionistischer
Perspektive</a>
<br><a href="#mh3">3. Die soziophänomenologische Perspektive
von Schütz</a>
<br><a href="#mh4">4. Gegenüberstellung</a>
<br> <a href="#mh41">4.1. Wechselseitige Kritik</a>
<br> <a href="#mh42">4.2. Gegensätze</a>
<br><a href="#mh5">5. Die skeptizistische Sichtweise Ungeheuers</a>
<br><a href="#mh6">6. Der Skeptizismus Juchems</a>
<br><a href="#mhs">Schluss</a>
<br><a href="#mhl">Literatur</a>
<br>
<blockquote align="justify">
<h3>
<font face="arial, helvetica, sansserif">Abstract</font></h3>
<font face="arial, helvetica, sansserif">If successful communication is
seen as based on a mutually shared and equal knowledge, the meaning of
the intention expressed by the speaker and the meaning understood by the
hearer has to be homogeneous. Juchems` theoretical outline, when pursuing
this question, is shown to be founded on two sources of modern communication
theory: George H. Mead`s interactionism and Alfred Schütz` social
phenomenology. Whereas for Mead meaning is universal in character and the
significant symbols constituting a universe of discourse have the same
or common meanings for all members of the group, amounting to the irrelevance
of the differences of the different perspectives, Schütz stresses
the subjective foundation of every act of sign interpretation, and consequently
their uniqueness and difference of perspective. Juchem, in his beginnings
founded on both authors, radicalizes the modest scepticism of his teacher
Ungeheuer, for whom communication implies fallibility, to a form of radical
constructivism, taking as a point of reference not society anymore, but
the monad. The contribution intends to represent and analyze these contexts.</font></blockquote>
<br>
<br>
<h2>
<a NAME="mh1" ID="mh1">1. </a>Einleitung</h2>
<p align="justify">Als Matrix jeder kommunikationswissenschaftlichen Erörterung sprachlicher
Kommunikation ist nach einer Forderung Ungeheuers (1987:73) der dialogische
Partnerkontakt von Sprecher und Hörer zugrunde zu legen. Diese Gesprächstätigkeit
verlangt offenkundig eine auf Zeichen basierende Interaktion zwischen Sprecher
und Hörer, sowie eine Verstehenstätigkeit, bei der ausgehend
von dieser materiellen Basis ein Wissen über die vom Sprecher intendierte
Bedeutung entwickelt wird, von der also der Hörer eine Erkenntnis
entwickelt über das, was in dem fremden Bewußtsein mit dem Gesagten
gemeint wird. Das Problem des Kommunikationsprozesses besteht mit den Worten
Juchems somit darin, dass der Hörer die Äusserungen des Sprechers
auf solche Weise zu interpretieren hat, dass diese Bedeutungskonstruktion
der Intention des Sprechers adäquat ist (1990:3), verlangt also ein
gemeinsames Bedeutungsfundament (1989:67).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Offensichtlich ist bei erfolgreicher Kommunikation die <i>gemeinte</i>
und die <i>verstandene</i> Bedeutung als übereinstimmend zu setzen.
Dieser Wissensaufbau stellt aus der Sicht sogenannter objektorientierter
Ansätze, die die Entwicklung von Bedeutung in die Kodierungsregeln
von Zeichensystemen verlegen (vgl. hierzu kritisch Posner 1993, Sperber/Wilson
1986:3ff.), kein Problem dar. Zu nennen ist hier natürlich das vielgeschmähte
informationstheoretische Code-Modell der Kommunikation, von Shannon/Weaver
inauguriert und von Saussure ableitbar, da hier der Informationsaustausch
durch den Bezug gesendeter und empfangener Signale auf einen gemeinsamen
Symbolvorrat sichergestellt wird. Die Bonner Kommunikationsforschung, vielleicht
eher als wissenschaftlicher Kreis denn als Schule im Sinne einer geschlossenen
Paradigmengruppe mit zusammenfassender Lehrdoktrin zu bezeichnen, hatte
hiergegen bereits frühzeitig Bedenken angemeldet; nach Richter, einem
anderen Jubilar dieser Tage<a NAME="footback1" HREF="#foot1"></a><b><sup><a href="#foot1" NAME="footback1">1</a></sup></b>,
gehörte die Auffassung, dass die kommunikativen ,Botschaften` - "darüberhinaus?";
also vielleicht doch auf der Grundlage eines gemeinsamen Symbolvorrates?
- zu einem erheblichen Teil aus dem Hintergrundwissen der Handelnden abgeleitet
sind, zu den Positionen der Bonner Kommunikationsforschung, mit denen diese
"schon früh" eine zentrale Differenz zur traditionellen Informationstheorie
und vorpragmatischen Linguistik markierte (1998:285). Bereits Ende der
fünfziger Jahre hatte Meyer-Eppler divergierende sender- und empfängerspezifische
Symbolfelder, sich auf Bühlers Zeichentheorie beziehend, in sein Kommunikationsmodell
eingebaut (1959/60:249ff.).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die theoretischen Impulse hierzu wurden u.a. getragen von Meads interaktionistischem
und Schütz` soziophänomenologischem Ansatz, von Ungeheuer 1969
(gemeinsam mit Bühlers <i>Krise der Psychologie</i>) mit dem Prädikat
einer vereinzelten, herausragenden Leistung kommunikationswissenschaftlicher
Analyse geadelt (1972:201). Bei beiden Autoren, mittlerweile jeweils in
den Rang eines soziologischen Klassikers aufgestiegen (und in Kaeslers
(1999) neuester Sammlung "Klassiker der Soziologie" wie auch in Juchems
Einführung in die Semiotik (Juchem 1985b) mit einem je eigenen Beitrag
bedacht), handelt es sich in den einschlägigen Hauptwerken um die
Grundlegung und Vorbereitung eines kommunikationstheoretischen Paradigmas.
Vergegenwärtigt man sich, dass Mead mit seinem Symbolischen Interaktionismus
den Behaviorismus (Watson`scher Provenienz) und den Wundtschen Parallelismus
mit dem programmatisch zu Beginn von "Mind, Self, and Society" eingeführten
Argument korrigiert, der zu behandelnde Komplex sei vom Gesichtspunkt der
Kommunikation aus zu betrachten, Kommunikation also vom Standpunkt des
Sozialbehaviorismus erschliesst; und zudem, dass Schütz mit seiner
Hinwendung zu Problemen des Fremdverstehens, Zeichengebrauchs und Intersubjektivität
(mit den Grundzügen einer Theorie des Fremdverstehens in der Überleitung
zum dritten Teil des Sinnhaften Aufbaus (1974:137)) die Interaktionsvergessenheit
von Husserls phänomenologischen Ansatz aufs Programm setzt und damit
eine Abkehr der streng phänomenologischen Betrachtungsweise der Konstituierung
von Sinn im einsamen Seelenleben vollzieht, sich der Kommunikation also
vom phänomenologischen Ansatz her öffnet, dann handelt es sich,
wenn wir Ungeheuers Beobachtung folgen, es hätten sich in - man muss
wohl jetzt sagen: seinem Jahrhundert (und das auch 1982 noch nicht beendet
war) zwei recht gegensätzliche Typen wissenschaftlichen Arbeitens
definiert (1987:298), und zwar Behaviorismus und Phänomenologie, in
der Hinwendung zum Gegenstand der Kommunikation in diesen beiden Paradigmen
um eine Vorbereitung der Kommunikationswissenschaft. Dieser Hintergrund
soll unter dem Aspekt des Verstehens von Bedeutung ein Stück weit
ausgeleuchtet werden.
<h2>
<a NAME="mh2" ID="mh2">2. </a>Die interaktionistische Perspektive Meads</h2>
<h3><a NAME="mh21" ID="mh21">2.1 </a>Universalität der Bedeutung</h3>
<p align="justify">Meads "Interaktionsfreundlichkeit" ist eine Frucht seiner Kritik an
dominierenden individuumszentrierten Ansätzen der Psychologie seiner
Zeit. Seine Fragestellung ist jedoch nicht die nach der Funktionsweise
von Kommunikation, sondern nach den Entstehungsbedingungen von "mind" und
"self": "durch Kommunikation" ist die Antwort hierauf. Kommunikation erfüllt
demnach eine Funktion, und zwar die, individuelles Verhalten zu koordinieren,
und konstituiert auf diesem Wege Sozialität; seine "Theorie der Ursprünge
spezifisch menschlicher Kommunikation und Sozialität" (Joas 1988:425)
ist mithin grundsätzlich kooperativ (1973:44) und nicht konfliktär,
wäre auf Juchem anspielend zu ergänzen. Wie allgemein nach Meads
Sozialpsychologie das übergreifende Ziel jeder Lebensform die Beherrschung
ihrer jeweiligen Umwelt ist (v. Pückler 1999:385), so ist in dem hieran
anknüpfenden Gedanken, dass der vom Menschen entwickelte Mechanismus
der sprachlichen Kommunikation dem Zweck dient, die Beziehung zu seiner
Umwelt kontrollieren zu können ("Language communication is the mechanism
worked out by the human animal to control the relationship of the organism
to the selected environment", 132f.), ein gewisser Erfolg dieses Unternehmens
bereits impliziert.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Gesichert wird dieser durch die von Mead so genannte "Universalität
der Bedeutung", die gleichbedeutend ist mit der Identität des Indizierten,
was in diversen Formulierungen explizit zum Ausdruck kommt: Universalität
ist bezogen auf "die Irrelevanz der Unterschiede" (1973:129/1972:89); die
Gesten des als Reiz-Reaktions-Prozess beschriebenen Kommunikationsprozesses
lösen eine "identische Wirkung auf uns wie auf andere" aus (1973:138);
das Symbol muss, um als solches zu fungieren, "universell" sein für
jede Person, die sich in derselben Situation befindet (1972:149); für
Kommunikation wird schliesslich als essentiell erachtet, dass der zeichensetzende
Organismus auf seine eigenen Gesten "in gleicher Weise" wie das durch die
Geste direkt beeinflusste Individuum reagiert (1972:81). Sprache ist das
Mittel, durch das Individuen sich gegenseitig anzeigen, welcher Art ihre
Reaktionen gegenüber Gesten sein werden, and was somit deren Bedeutungen
sind (1972:122), und der von ihr ausgelöste Reiz ist so beschaffen,
"dass er sich auf das sprechende Individuum ebenso auswirkt wie auf das
andere." (1973:108)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das Ausrufen "derselben Antwort" im Selbst und im Anderen ist ferner
die Basis für die "community of meaning". Diese Bedeutung ist objektiv
und universell, nicht subjektiv und individuell. Durch Kommunikation erfahren
wir, dass unsere Erfahrungen und die anderer universal sind, d.h. unter
die gleiche Kategorie fallen, allen gemeinsam und gesellschaftlich geteilt
sind.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Nur gegenüber dieser sozial geteilten Welt kann sich eine private,
biographisch bedingt verschiedene Erfahrung etablieren (1973:72); und so
unterscheidet Mead zwar zwischen solchen privaten und individuell variierenden
Reaktionen und unveränderten. Aber nur den unveränderten "habituellen
Antworten" wird das Privileg der Bedeutung zugesprochen, denn sie "answer
to the meaning of things" (1972:126). "Meaning" ist gebunden an Universalität,
und diese spiegelt sich in der "Identität der Reaktion" (1973:166).
Offensichtlich wird hier ein Konzept der Identität von Bedeutung als
kommunikatives Prinzip vertreten, wie es Juchem in seinem Buch Kommunikationssemantik
nachdrücklich zurückweist (1998:8).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Zwar durchbricht Mead das Reiz-Reaktions-Schema durch seinen "semiotic
turn", bewahrt dabei jedoch das Element der Verhaltensregulierung, das,
da an der Reaktion des Organismus gemessen, auf Gleichförmigkeit der
Bedeutung gepolt ist, und nicht auf Unterschiede. Das behavioristische
Bedeutungskonzept erkennt den Gehalt einer Geste in der Antwort eines (anderen)
Organismus; so heisst es, dessen anpassende Reaktion sei die Interpretation
dieser Geste und mache ihren Sinn (oder Bedeutung) aus (1973:120), und
kurz und bündig: "Such a response is its meaning, or gives it its
meaning." (1972:145) Das von Mead gegebene Beispiel des Ausrufs "Feuer"
in einem gefüllten Theater und die darauf erfolgende Reaktion der
Flucht demonstriert diesen an der Gleichförmigkeit des Verhaltens
eben sozial-behavioristisch abgelesenen Bedeutungsbegriff, eine Situation,
die in der Tat keinen Raum zulässt für feingesponnene Differenzierungen
zwischen Bedeutungsnuancen, was denn der andere meine und ob das Verstandene
damit übereinstimme.
<h3><a NAME="mh22" ID="mh22">2.2 </a>Das Gespräch aus interaktionistischer
Perspektive</h3>
<p align="justify">Die Frage des Verstehens zweier interagierender Individuen im Gespräch
wird aus interaktionistischer Perspektive folglich beantwortet mit dem
Konzept der vokalen Geste, von der beide als Hörer eine identische
Bedeutung entwickeln, wobei der Sprecher als Hörer seiner selbst agiert:
"for the reason of self-perception, the producer of the vocal gesture perceives
it identically as the partner". Die Gleichheit der Bedeutung ist eine Folge
dieser Spezifik der vokalen Geste, das der sie Hervorbringende sie in derselben
Weise wahrnimmt wie der Angesprochene, und die als gesellschaftlicher Reiz
"das sie gebrauchende Wesen auf die gleiche Weise beeinflusst, wie er es
beeinflussen würde, wenn er von einem anderen Wesen käme. Das
heisst, dass wir uns selbst sprechen hören können, wobei die
Bedeutung des Gesagten für uns die gleiche ist wie für andere."
(1973:101f.) Die Identität der Bedeutung gilt demnach auch für
die Gesprächssituation.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mit dem erwachenden Interesse an der Rolle von sprachlichem Handeln
in Kommunikations- und Interaktionsprozessen Ende der 60er Jahre durch
die Gesprächs- und Konversationsanalyse fand Meads symbolischer Interaktionismus
ein - wie eingangs gefordert - gesprächsbezogenes Rezeptionsumfeld.
Aus dieser Perspektive des sozialen Interaktionismus (vgl. v. Rees 1992:11f.)
erscheinen Gespräche als soziales Verhalten auf der Basis der Mitgliedschaft
in sozialer Gemeinschaft und somit als kooperative Handlungen, wobei Sprechern
und Hörern gemeinsam geteilte Konventionen, Institutions- und dementsprechender
Regelvertrautheit deren Durchführung zugrundeliegt. Gemeinsames Regelwissen
ermöglicht die Kooperation der Gesprächsbeiträge, Zuschreibung
von Intentionen und Antizipationen von Reaktionen.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Zur Antizipation der Reaktion des Hörers, notwendig, um mit einer
Gesprächsäusserung den intendierten Verstehenseffekt beim Hörer
zu erzielen, muss der Sprecher in der Lage sein, sich in dessen Rolle zu
versetzen, was mit dem "taking the role of the other" erklärt wird.
Mit dieser Rollen- und Perspektivenübernahme wird auch umgekehrt die
Erkennbarkeit der Sprecherintention auf Hörerseite erklärt. In
einem Gespräch, in dem Sprecher und Hörer durchgehend die jeweils
wechselseitigen Reaktionen und Intentionen antizipieren und ihr Verhalten
aneinander ausrichten müssen, um Kommunikation erfolgreich zu gestalten,
wird dies durch das gemeinsam geteilte Wissen um die Zugehörigkeit
zu spezifischen sozialen Gemeinschaften und den Regeln ihrer Institutionen,
unter diesen z.B. Sprache, erklärt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Kommunikation wird also ermöglicht durch den Gebrauch gemeinschaftlich
geteilter (und eben nicht individueller) Regeln, wodurch Sprecher und Hörer
im Sinne Meads jeweils wechselseitig als "generalized other" ("verallgemeinerte
Andere") fungieren. Die Bedeutung, die einer Äusserung "Schliesse
bitte das Fenster" zugeschrieben wird, ist demnach nicht zufällig
und subjektiv; vielmehr wird jedem Sprecher und Hörer als ,generalized
other` eine mehr oder weniger identische (und intentionale) Bedeutung zugeschrieben.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Durch diese identische Bedeutung wird ein Symbol signifikant, und die
Entstehung von Bedeutung signifikanter Symbole wird erklärt mit einer
"Hereinnahme des gesellschaftlichen Prozesses der Kommunikation in den
Einzelnen" ("It is the internalization within the individual of the social
process of communication in which meaning [of significant symbols] emerges."
(Morris 1972:XXII, dt. 1973:25)) Das Konzept von Bedeutung als Internalisierung
der gesellschaftlichen Handlung, the "importation of the social process
of communication into the individual by the medium of the vocal gesture."
(Morris 1972:XXII) ist eine Konsequenz von Meads behavioristischer Methode,
die sich nicht vom individuellen Bewusstsein zur Gesellschaft vorarbeitet,
sondern umgekehrt vom sozialen Prozess aus nach innen eine Internalisierung
annimmt. Das Verhalten eines Individuums kann nur verstanden werden in
Ableitung vom Verhalten der sozialen Gemeinschaft, der er angehört;
das Ganze der Gesellschaft ist somit primär gegenüber dem Teil
des Individuums ("the whole (society) is prior to the part (individual)"
(1972:6f.)).
<h2>
<a NAME="mh3" ID="mh3">3. </a>Die soziophänomenologische Perspektive
von Schütz</h2>
<p align="justify">Schütz` Ansatz ist Meads insofern diametral gegenübergestellt,
als er sich nicht von der Gesellschaft zum Individuum, sondern umgekehrt
vom Individuum zur Gesellschaft vorarbeitet. Er hat dabei sowohl einen
subjektiv zentrierten und einen in den späteren Arbeiten stärker
hervortretenden intersubjektiven Pol (Srubar 1988). Der Aufbau der sozialen
Welt, Gesellschaft also, setzt ein beim sinnhaften Handeln des Individuums,
und die Analysen zum subjektiven Sinn (M. Webers), die das sinnhafte Erleben
um die Ebene des inneren Zeitbewusstseins (mit Husserl und Bergson) vertiefen,
setzen diese Subjektivität "bewusstseinsphilosophisch" als primordial
an. Zwar verlangt die "von vornherein intersubjektive Kulturwelt", in die
das Individuum hineingestellt ist, Interaktion und Kommunikation, weshalb
die Sozilitätsidealisierungen und Zeichentheorie entwickelt werden,
Brückenfundamente zwischen Individuum und Gesellschaft. Bezugsgrösse
der Theorie bleibt jedoch stets das Individuum und dessen subjektives Bewusstsein;
und indem das Subjekt als autonome Grösse, das auf der Basis seiner
biographischen Situation und des daran gekoppelten Hintergrundwissens und
Relevanzsystems operierend in Rechnung gestellt wird, besteht Schütz
gegenüber subjektentbundenen Objektivierungen, dem System, dessen
Struktur und Funktionsweise auf dem Unikat einer jeweiligen subjektiven
Bedeutungsinterpretation.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Da Kommunikation nicht sozialbehavioristisch vom äusseren Verhalten
her konzipiert wird, sondern als Vorgang zwischen den Bewusstseinen von
ego und alter ego, ist das Fremdverstehen mit der Zugänglichkeit zu
diesem fremden Bewusstsein verbunden. Schon das eigene Bewusstsein ist
jedoch nur asymptotisch, reflektiv und im weiteren Sinne interessegeleitet
zugänglich, Erkenntnisgrenzen, die in die Situation von ego und alter
ego eingehen. Wird die subjektive Komponente wie bei Schütz voll in
Anschlag gebracht, müssen zudem gemeinte und verstandene Bedeutung
grundsätzlich divergieren. So ist dem Fremdverstehen "die fremde Dauer
in diskoninuierlichen Segmenten und niemals in Vollständigkeit, sondern
nur in ,Auffassungsperspektiven` vorgegeben" (1974:148), und der "gemeinte
Sinn" wesentlich subjektiv und "für jedes Du wesentlich unzugänglich,
weil er sich nur innerhalb des jemeinigen Bewusstseinsstromes konstituiert"
(1974:140), weshalb er niemals in der prägnanten Bedeutung des Wortes
erfasst werden kann. "Was erfasst werden kann, ist immer nur ein ,Näherungswert`
zu diesem Limesbegriff ,fremder gemeinter Sinn`, an welchen in unendlichem
Progress Annäherungen erfolgen können." (1974:150) Kommunikation
ist also der Bedingung eines erfolgreichen Erkenntnisprozesses unterworfen,
nämlich "richtiges" Wissen zu entwickeln über den vom fremden
Bewusstsein gemeinten Sinn, und diese Grundsätzlichkeit der Problematik
des Fremdverstehens reicht so weit, dass daraus auch das Methodenproblem
der Sozialwissenschaften resultiert.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das Verstehen von Zeichen, Grundlage für das Fremdverstehen, involviert
zwar eine objektive Bedeutungsebene, den objektiven Sinnzusammenhang des
Zeichensystems (Schütz/Luckmann 1979:121), verlangt jedoch darüberhinaus
die Erfassung des subjektiv gemeinten Sinns sowie die okkasionelle oder
kontextuelle Bedeutung. Die objektive oder im Sinne Meads universale Bedeutung
bedarf einer situativen und subjektiven Komplettierung, d.h. die ergänzende
Betrachtung der Verwendung eines Zeichens <i>jetzt</i>, <i>hier</i> und
<i>in diesem Zusammenhang</i>, im Hinblick auf die sich äussernden
Personen und die Umstände sowie den Gebrauchszusammenhang ihrer Äusserung,
womit nicht auf das Allgemeine, sondern auf das Spezifische der Kommunikation
abgestellt wird. Und weil dieser subjektive Sinn letztlich durch das besondere
Wie der erfahrenden Akte konstituiert wurde (Schütz 1974:174), bleibt
der fremde gemeinte Sinn "auch bei optimaler Deutung ein Limesbegriff"
(1974:49). Da ferner jeder Akt des echten Fremdverstehens auf Akten der
Selbstauslegung des Verstehenden fundiert ist (1974:156), ein auch für
Juchem grundlegender Satz, der eine "unumgängliche und notwendige
Bedingung der Bedeutungserstellung" zum Ausdruck bringt (1985 III:19) und
jede Konstruktion an die Bewusstseinsgrenzen des Handelnden bindet, damit
die Grenzen der Monade nicht überschreitend, arbeitet Schütz
intentionalistisch vom inneren des Bewusstseins nach aussen, wobei Zeichentheorie
als Bindeglied zwischen Egologik und Intersubjektivität an den Übergängen
zwischen der Welt des einsamen Ich des Individuums in die soziale Sphäre
der Gesellschaft fungiert. Dies ist wie bereits erwähnt genau der
umgekehrte Weg Meads, der von aussen nach innen führte.
<h2>
<a NAME="mh4" ID="mh4">4. </a>Gegenüberstellung</h2>
<h3><a NAME="mh41" ID="mh41">4.1 </a> Wechselseitige Kritik</h3>
<p align="justify">Neben Gemeinsamkeiten - so arbeiten nach Juchem (1985 I:37) beide Autoren
das interaktive Moment des Zeichenprozesses heraus - finden sich zwischen
Mead und Schütz auch grundlegende Unterschiede; beide Autoren üben
demnach auch deutliche Kritik an der jeweils anderen Position, Mead freilich,
der 1934 starb, ohne Bezug auf Schütz` 1932 erschienen Sinnhaften
Aufbau.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mead ist der Gegensatz ("contrast") der von ihm vertretenen gesellschaftlichen
Theorie des Geistes zu individualistischen Ansätzen so bedeutsam,
dass er der Kritik letzterer ein eigenes Kapitel (29., 1973:266ff.) widmet.
Theorien (wie Meads), die den gesellschaftlichen Prozess als logische und
biologische Voraussetzung für das Auftreten der Identität des
einzelnen Organismus nehmen, setzen für die Entwicklung von Geist
und Identität eine gesellschaftliche Umwelt sowie ein Netz gesellschaftlicher
Beziehungen und Wechselwirkungen, insbesondere der Kommunikation mittels
Gesten notwendig voraus - und zwar ein funktionierendes, wäre zu ergänzen.
Anders diesen gegenüberzustellende individualistische Theorien, die
die individuelle Identität logisch und biologisch vor den gesellschaftlichen
Prozess stellen, und die Mead mit den Worten kommentiert, es sei "absurd",
Geist aus der Sicht des einzelnen menschlichen Organismus zu sehen, und
die Dürftigkeit einer individuellen Erfahrung, die von den Prozessen
der gesellschaftlichen Erfahrung isoliert wird, sei offenkundig (1973:174).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Meads Kritik ist gegen die traditionelle Individual-Psychologie gerichtet
(und gegen Cooley), jedoch ist hiermit Schütz` spätere Position
durchaus miterfasst. Für Mead setzt Gesellschaft notwendig Kommunikation
voraus; im Umkehrschluss, liesse sich ergänzen, belegt die Existenz
der Gesellschaft, dass die Kommunikation erfolgreich verläuft. Darüberhinausgehende
Fragen sind philosophischer Art und werden aus einer sozialbehavioristischen
Sozialpsychologie verwiesen.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Auf eine Kritik am "Behaviorismus als soziologischer Methode" eines
seiner Lehrer, des Ökonomen von Mises, hatte Schütz bereits im
Sinnhaften Aufbau hingewiesen (1932:277, 304).<a NAME="footback2" HREF="#foot2"></a><b><sup><a href="#foot2" NAME="footback2">2</a></sup></b>
Im Kontext der Streitfrage über den intersubjektiven Charakter von
Zeichen distanziert er sich später von Meads (und Morris`) "behavioristischen
Thesen" (GA I:336), und im Aufsatz "On Multiple Realities" (1945) kritisiert
er Meads Ansatz in für Schütz Diktion ungewöhnlich scharfer
Weise, wenn er ihn (was im englischen Original deutlicher zum Ausdruck
kommt) als "rather incomplete and inconsistent attempt" (CP I:217) bezeichnet.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>"Der hier vertretene Standpunkt ist mit Meads Theorie des sozialen Ursprungs
des Selbst nicht verträglich; noch lässt er sich mit seinem (modifizierten)
Behaviorismus, der ihn dazu verleitet, alle vorher genannten Phänomene
[sc.: Handlung, Selbst, Erinnerung, Zeit und Wirklichkeit] im Sinne von
Reiz und Reaktion zu deuten, vereinbaren. James` berühmtes Kapitel
[Kap. 10 in den Principles of Psychology] [...] enthält mehr Richtiges."
(GA I:248f.)
<h3><a NAME="mh42" ID="mh42">4.2 </a> Gegensätze</h3>
<p align="justify">Schütz geht es um den subjektiven Sinn ("the subjective meaning
man bestows upon certain experiences of his own spontaneous life" (CP I:210);
dieser entsteht durch einen konstruktiven Akt der Interpretation "innerhalb
unseres Bewusstseinsstroms" (GA I:240) und ist nur einem vom inneren Erleben
ausgehenden sozio-phänomenologischen, nicht einem vom äusseren
Verhalten ausgehenden sozio-behavioristischen Ansatz erschliessbar. Für
Mead dagegen entsteht Sinn gerade "in den Akten lebend", da untrennbar
mit der Handlung verbunden, weshalb "Bedeutungen nicht subjektiv, nicht
privat, nicht geistig, sondern in der gesellschaftlichen Situation objektiv
gegeben [sind]." (Morris, in Mead 1973:24)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Wenn Wissenschaftler zur Veranschaulichung unterschiedlicher Theorien
auf ähnliche Beispiele zurückgreifen, können Differenzen
in deren Behandlung erhellend sein (diese weisen durchaus eine gewisse
Uniformität auf: Schreibtisch, ein Blatt Papier, ein Baum - aus dieser
Perspektive wäre es durchaus reizvoll, die Geschichte des letzteren
zu verfolgen). Mead und Schütz, wie übrigens auch Juchem zur
Veranschaulichung der Morris`schen Differenz zwischen Designat und Denotat<a NAME="footback3" HREF="#foot3"></a><b><sup><a href="#foot3" NAME="footback3">3</a></sup></b>,
greifen auf den Hund zurück. Mead demonstriert die Universalität
der Bedeutung wie folgt: "Wenn man also zu einer anderen Person über
einen Hund spricht, löst man in sich die gleiche Reaktionsreihe aus
wie in einem anderen Menschen." (1973:111)
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Schütz veranschaulicht am gleichen Beispiel die unterschiedlichen
Klarheits- und Bestimmtheitsstufen des Wissensvorrats wie folgt:
<blockquote align="justify">
<font face="arial, helvetica, sansserif">"Ein Hund, der auf der Strasse vorbeiläuft, kann ein ,Hund` bleiben.
Wenn ich ein Briefträger bin, muss ich mir zumindest die bissigen
Hunde merken. Und wenn ich einen Hund besitze, werde ich ihn wohl unter
allen anderen Hunden wiedererkennen wollen." (Schütz/Luckmann 1979:184)</font><</blockquote>
<p align="justify">Die jeweiligen Erfordernisse der Situation verlangen, bei aller Einheit
der Erfahrung, unterschiedlich konkret bestimmte Typisierungen. Identität
der Bedeutung also bei Mead, Pluralität bei Schütz.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Mead und Schütz erstellen mithin geradezu gegensätzliche Entwürfe
für das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und in dessen
Zuge auch der Kommunikation. Die Frage nach dem Gegenstandsbereich der
Sozialwissenschaft, so Schütz, verlangt die Lösung des Problems,
ob das gesellschaftliche Ganze dem Sein des Einzelnen vorgegeben und das
Individuum von der Gesellschaft abhängig ist oder umgekehrt das gesellschaftliche
Ganze eine Synthesis einzelner menschlicher Individuen ist, deren Sein
allein Realität zukommt. (Schütz 1974:11) Hatte Schütz diese
Frage nach dem Primat von Individuum oder Gesellschaft mit dem Individuum
beantwortet, so setzt Mead bei der Gesellschaft bzw. dem sozialen Handeln
an.<a NAME="footback4" HREF="#foot4"></a><b><sup><a href="#foot4" NAME="footback4">4</a></sup></b>
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Gegensätze lassen sich wie folgt pointieren: Schütz denkt
individualistisch und betont das Subjektive (des Sinns), Mead denkt kollektivistisch
und betont das Objektive (der Bedeutung); Schütz hebt das Partikuläre
hervor, Mead das Universale; Schütz setzt das Erleben und (sozio-phänomenologisch)
die innere Erfahrung primär, Mead den sozialen Akt und (soziobehavioristisch)
das Verhalten. Mead erklärt, warum wir alle verstehen, was gemeint
ist, wenn jemand darum bittet, das Fenster zu schliessen; Schütz erklärt
uns, warum das Fenster für jeden von uns ein anderes ist, dass dieser
Raum und seine Gegenstände Konstruktionsergebnisse unseres Bewusstseins
sind und ihre unterstellte Gleichheit Resultat einer Idealisierung, die
von unseren jeweiligen individuell verschiedenen Perspektiven abstrahiert,
diese jedoch nicht beseitigt. Mead spart die Frage, was Bewusstsein eigentlich
sei, aus, mit der Begründung, sie sei keine psychologische Frage (1973:146);
Schütz erklärt die Analyse der Bewusstseins zur Grundlage des
Sinnbegriffs.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Ungeheuer hat in einer Vorlesung, es mag erlaubt sein, dies hier aus
dem Gedächtnis zu zitieren, nach einer Darstellung seines Konzepts
von Individueller Welttheorie die Frage, wie denn bei so grundsätzlicher
Verschiedenheit individueller Wissensbestände Kommunikation überhaupt
möglich wäre, eingeräumt, es müsse wohl auch so etwas
wie eine Soziale Welttheorie geben. Ich glaube, man kann Mead als Gewährsmann
bemühen für eine solche Soziale Weltheorie, die universale und
sozial geteilte Bedeutungen enthält, während Schütz mit
seinem subjektorientierten Entwurf die Individuelle Welttheorie und vor
ihrem Hintergrund subjektiv bestimmte Bedeutungen stützt.<a NAME="footback5" HREF="#foot5"></a><b><sup><a href="#foot5" NAME="footback5">5</a></sup></b>
<h2>
<a NAME="mh5" ID="mh5">5. </a> Die skeptizistische Sichtweise Ungeheuers</h2>
<p align="justify">Ungeheuer hat seine Kommunikationstheorie nicht als skeptizistisch bezeichnet;
jedoch ist seine Einschätzung hinsichtlich des Erfolgs des Kommunikationsunterfangens,
zweifelsohne ein zentraler Punkt, dieser Art, weshalb ihre Kennzeichnung
als skeptizistische auch durch Juchem (1990:3f.) und Hess-Lüttich/Lüscher
(1993:415, 428) in die Literatur eingeführt wurde.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Tradition des Skeptizismus, die in der Philosophie allgemein Erkenntnisprozessen
gegenüber entwickelt wurde, befragt die Möglichkeit des Wissens
von der Aussenwelt. Gegenüber solch einer universellen Variante stellen
eingeschränkte Spielarten eines partiellen Skeptizismus einzelne Erkenntnisvermögen
in Frage, z.B. Wissen über Fremdpsychisches zu erlangen (Grundmann/Stüber
1996:16), und da der auf den Kommunikationsprozess bezogene Wissensskeptizismus
eine längere Tradition aufweist, bezeichnet Schütz auch die Frage,
"wie Wissen von fremdem Bewusstsein möglich ist", als ein "uraltes
Problem" (1971a:362). Sie ist, insofern sich der Kommunikationsprozess
"immer auch als Zeichenprozess und Zeichensituation darbietet" (Juchem
1985 I:46), mit der Geschichte der Semiotik insofern aufs Engste verbunden,
als die Zeichenproblematik "von jeher" einen Bestandteil der Wissenschaft
in Philosophie und Sprachwissenschaft bildet.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>In der Verteidigung seines gesellschaftlichen Ansatzes gegenüber
individualistischen geht Mead auf ein Gegenargument zu seiner Position
ein. Zwar sei es richtig, "dass gewisse Erfahrungsinhalte [...] nur für
den jeweiligen Organismus und für niemand sonst zugänglich sind
und dass diese privaten oder ,subjektiven` (im Gegensatz zu öffentlichen
oder ,objektiven`) Erfahrungsinhalte normalerweise als besonders eng mit
der eigenen Identität verbunden oder als besondere Formen der Selbsterfahrung
angesehen werden." (Mead 1973:270) Diesen ausschliesslichen Zugang zu gewissen
Erfahrungen für den jeweiligen Organismus lässt er jedoch nicht
als Gegenargument gegen das gesellschaftliche Wesen der Identität
gelten.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Das von Mead attackierte Gegenargument stimmt nun aber ziemlich genau
mit Ungeheuers Bestimmung innerer Handlungen überein, die bekanntlich
durch ihre privilegierte Erfahrbarkeit durch das handelnde Individuum ausgezeichnet
sind (1987:90).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Aus den Schwierigkeiten der hiermit verbundenen und grundlegenden Innen-Aussen-Dichotomie
resultiert Ungeheuers Skeptizismus gegenüber der Funktionsfähigkeit
des kommunikativen Mechanismus, den er mit dessen Fallibilität auf
den Begriff bringt. Damit wird nicht die Möglichkeit geleugnet, kommunikativ
Wissen über fremdes Bewußtsein zu erlangen, sondern, daß
es möglich ist, über diesen Vorgang eine Sicherheit des Wissens
zu erlangen (womit es sich um eine "Skepsis zweiter Ordnung" (Grundmann/Stüber
1996:16) handelt, bei der angenommen wird, dass wir nicht wissen können,
ob wir Wissen haben). Das Prinzip der <i>Fallibilität sprachlicher
Kommunikation</i> hebt nicht schlechterdings auf die mögliche Fehleranfälligkeit
des Kommunikationsprozesses ab:
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"Kommunikative Fallibilität bedeutet nicht, daß man im Prinzip
bei kruzialer Kommunikation nicht verstehen oder nur annähernd das
Gemeinte erfassen kann ..."; -</font></blockquote>
<p>es
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"... bedeutet genau, daß, wenn man auch das Kommunikationsziel
erreicht, d.h. versteht, was mitgeteilt wurde, man dies nicht wissen kann,
weil es nicht feststellbar ist" (Ungeheuer 1978:14),</font></blockquote>
<p align="justify">meint also die Unsicherheit des hierüber erlangbaren Wissens. Dass
kommunikative Sozialhandlungen hinsichtlich des Kommunikationserfolgs fallibel
sind heisst, dass "... es [...] im Prinzip kein gesichertes Wissen über
täuschungsfreies Verstehen des Gesagten (gibt)" (Ungeheuer 1987:320),
was uneingeschränkt für kruziale Kommunikationen gilt (d.h. solche,
"in denen das Sprechen, Mitteilen und Verstehen [...] weitgehend unabhängig
von den sie umgebenden Tätigkeiten und Erfahrungen zu leisten ist"
(ebd.:321), und deren Kommunikationserfolg nicht durch das Gelingen respektive
den Zusammenhang übergeordneter Sozialhandlungen überprüfbar
ist, die Problemstellung nicht im sozio-perzeptiven Kontakt oder durch
ein kulturbedingtes Regelwerk zur Steuerung des kommunikativen Verhaltens
aufgelöst wurde). Dies führt im Versuch, "eine Theorie besonders
der sprachlichen Kommunikation zu entwerfen" zu der Einsicht, "dass Kommunikationsstörungen
nicht einfach nur negative Erscheinungen sind", sondern dass in jedem Kommunikationssystem
Anfälligkeiten für Störungen ein systeminhärentes Moment
sind. Ungeheuers Skeptizismus ist der des Ingenieurs, der auf die Konstruktionsweise
des Kommunikationsapparates blickt und dessen Zeichengerät mit fachlichem
Blick für Konstruktionsschwächen für untauglich befindet,
die Identität von gemeinter und verstandener Bedeutung zu garantieren.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Kommunikationsstörungen begleiten daher, beherrschen gar sprachliche
Verständigungsbemühungen, womit Ungeheuers Begriff des "Kommunikationskonflikts"
(1975:IX) umrissen ist. Damit sollen nicht zufällige Fehler und Störungen
erfasst werden, sondern "in der Natur des Menschen und dem Aufbau der Kommunikationssysteme"
begründete systematische und daher irreparable Defekte. Das unzuverlässige
Funktionieren zwischenmenschlicher Kommunikationsprozesse führt zu
"Kommunikationskonflikten", eine Einsicht, die in der auf der Basis dieses
Begriffes entwickelten Arbeit von Richter/Weidmann (1975) und der kommunikationssemantischen
Untersuchung des "notwendig konfliktären Charakters der Kommunikation"
(Juchem 1985) ihren Niederschlag und Fortführung gefunden hat. Aus
dieser Sicht hat "Fehlkommunikation eine hohe Relevanz für die sozialen
Beziehungen" (Richter/Weidmann 1975:8) bzw. bilden Kommunikationskonflikte
ein bestimmendes Phänomen der Kommunikation (Juchem 1985:2) und somit
eines ihrer unausweichlich mitgegebenen Konstruktionsmomente. Fallibilität,
"als Formel der Skepsis gegen die Möglichkeit von ichgemässer
Sozialität" (Richter 1998:305), enthält die Behauptung eines
Rests grundsätzlicher Ungewißheit im Wissen des kommunikativ
Gemeinten und sagt aus, daß gegenüber dem Ideal sicherer Entscheidungen
über gelungenen Kommunikationserfolg (und Bedeutungsüberein-stimmung)
nur Annäherungen, d.h. nur Vermutungen und Hypothesen möglich
sind, und da es sich um einen irreparablen Defekt handelt, der auch nicht
durch eine verbesserte Kommunikationspraxis zu beheben ist, folgt daraus
ein grundsätzlicher Skeptizismus hinsichtlich des Wissens- und Erkenntniserwerbs.
Dieser wird von Ungeheuer im Abschluss seines Aufsatzes "Vor-Urteile über
Sprechen, Mitteilen, Verstehen" als Skepsis gegenüber der Vermehrbarkeit
von Wissen sowohl durch wissenschaftliche Forschung sowie für andere
Wissensbereiche außerhalb der Wissenschaft, insbesondere für
menschliches Kommunikationshandeln, als Fallibilität kruzialer Kommunikation
bilanziert (1987:338).
<h2>
<a NAME="mh6" ID="mh6">6. </a>Der Skeptizismus Juchems</h2>
<p align="justify">Dieser Absatz ist von Juchem in seinen Arbeiten wiederholt zitiert worden
(z.B. 1989:88), so dass er hier einen programmatischen Charakter erhält.
Der damit zugleich perpetuierte Skeptizismus - und Juchem spricht eingangs
des von ihm verfassten Anhangs zu Ungeheuers Einführung in die Kommunikationstheorie
(1990:3) von einer gewissen Skepsis hinsichtlich der Verstehensproblematik,
die sich in den theoretischen Überlegungen niederschlagen werde, und
verortet Ungeheuers Skepsis als methodische, deren Bedingungen im Untersuchungsgegenstand
der Kommunikation angelegt sind (1990:4) - tritt hier jedoch offener, programmatischer
und provokativer zutage. Dass Verstehen ein "aussichtsloses Unterfangen",
"Verständigung" als problematische erscheint, das Gespräch "eine
koordinierte Störung" (als Frage formuliert), der "Charakter der Kommunikation"
ein notwendig konfliktärer sei, der "als Simulation" einen monadischen
Hintergrund der "Konstruktion und Unterstellung" aufweist - dies sind Überschriften,
die aus dem Literaturverzeichnis ins Auge springen (Juchem 1985 (a), 1989
(b), 1991, 1998 (a), 1998 (c), Juchem/Schmitz 1982).
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Radikalisierung des Skeptizismus richtet sich bei Juchem vor allem
gegen die Identität des Bedeutungsbegriffs, sich dabei auch auf ältere
Autoren berufend, z.B. wenn mit Wegener die "Gleichheit der Bedeutung"
in Abrede gestellt wird. Indem Juchem sich konsequent und hartnäckig
jeder kontextentbundenen Systematisierung der Bedeutung (von Zeichen) verweigert,
wird deren Allgemeinheit als Konstruktion ausgewiesen ("Bedeutung ist jedesmalig,
einmalig und konkret, konstruiert von einem Bewusstsein, das als Konstruktionsbedingungen
nur die monadischen Bedingungen seiner selbst hat", seinen Erfahrungshintergrund
"als veränderliches Ungefähr-Wissen über die mögliche
Welt des Subjekts" (1989:68)). Mit dem Fehlen einer allgemeinen Bedeutung
- die eindeutige Bestimmbarkeit der Sprache, das "eins seyn" wird mit Lambert
als Hypothese ausgewiesen (1989:55) - entfällt auch die Grundlage
des Verstehens, das an die Erkennbarkeit der inneren Handlungen des anderen
gebunden wird (1989:81), eine Bedingung, die nur Verständigung "als
Alltagskompromiss" zulässt auf der Basis einer unterstellten Bedeutungsgleichheit
(1989:84). Sprachliche Kommunikation wird als elliptisch bezeichnet, d.h.
dass Vollständigkeit und der genaue Nachvollzug des in sprachlichen
Formulierungen Gemeinten (1989:27) nicht erreichbar ist; Sprache als Medium
des Kommunikationsprozesses ist unsicher sowohl als Mittel der Erkenntnisgewinnung
als auch der Mitteilung (28); aufgrund des konjekturalen Grundzuges der
Kommunikation stehen Sprecher und Hörer keine untrüglichen Überprüfungskriterien
für das Eintreten semantischer Gleichheit des Gemeinten zur Verfügung
(52). Konsequenterweise erfolgt auch (1989) eine Distanzierung von Mead
(74) und dessen eingangs dargestelltem interaktionistischen Ansatz.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Bekanntlich war Jürgen Habermas ein prominenter Wegbereiter der
Meadschen Theorie, indem er auf die semiotische Überlegenheit seiner
Kommunikationstheorie und seine Fruchtbarkeit für sozialisationstheoretische
Forschung hingewiesen hatte, ehe er in seinem Hauptwerk Theorie des Kommunikativen
Handelns (1981) auf Mead eingeht und diesen zu einem der Inspiratoren des
Paradigmenwechsels "von der Zwecktätigkeit zum kommunikativen Handeln"
erklärt. Kann bei Ungeheuer noch von "bewussten Spitzen gegen die
Habermas-Rezeption" (Richter 1998:305) gesprochen werden, die auf den verschiedenen
Ausbau der individuellen Weltheorien abhebt und kommunikative Subjektion
gegen herrschaftsfreie Kommunikation ausspielt (Ungeheuer 1987:318), so
bildet eine harrsche Kritik an Habermas den Auftakt von Juchems Kommunikationssemantik
(1998). Stein des Anstosses ist die von Habermas vertretene Konstituierung
identischer Bedeutungen, die offenkundig Meadscher Provenienz ist ("dass
beide Subjekte eine Erwartung zugleich von ihrer eigenen Position und von
der des anderen aus identifizieren und erwarten können" (Habermas
1971b:193, zitiert von Juchem 1998:8)) und der offensichtlich gleichfalls
kritisierten Symmetrieannahme der idealen Sprechsituation (1989:51) zugrundeliegt,
wogegen Juchem paradigmatisch für das Buch die Ungeheuersche Subjektion
zur Stützung seiner eben erwähnten Habermas-Kritik setzt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die intersubjektive Voraussetzung der Gesellschaft, die in der Kommunikation
ihre konkrete Ausprägung hat, ist demnach schon von ihren Bedingungen
her konfliktär angelegt wegen der Innen-Aussen-Dichotomie und der
dadurch erforderlichen Koordinierung innerer Handlungen zwischen Sprecher
und Hörer, woraus, an Ungeheuer anschliessend, Irrtums- und Tä
schungsanfälligkeit, Fallibilität also, resultiert.
<blockquote><font face="arial, helvetica, sansserif">"Menschliche Kommunikation als der Zeichenprozess par excellence ist
unter dem Gesichtspunkt der Verständigung immer ein Kompromiss." (1985
III:27)</font></blockquote>
<p align="justify">Hier sollen die Überlegungen Juchems jedoch nicht weiter ausgebreitet
werden, schliesslich sind sie in diesem Kreis als bekannt vorauszusetzen
und zudem von ihm selbst kompetenter dargestellt.
<h2>
<a NAME="mhs" ID="mhs">Schluss</a></h2>
<p align="justify">Das Kommunikationsproblem war eingangs mit der "Adäquatheit" sprecher-
und hörerseitiger Bedeutung verbunden worden; dabei werden die Bedingungen
erfolgreicher Kommunikation in den angesprochenen Ansätzen verschieden
eingeschätzt. Bedient sich der vielleicht optimistisch zu nennende
Interaktionismus des Arguments gemeinschaftlich geteilter Bedeutungen und
reklamiert deren Universalität, so treten Bedeutungsdifferenzen dagegen
dann hervor, wenn die Subjektivität der Perspektiven hervorgehoben
wird, was schliesslich zu einen Skeptizismus unterschiedlichen Grades hinsichtlich
der Möglichkeit identischer Bedeutungen führt.
<br><img SRC="spacer.gif" height=1 width=23 align=CENTER>Die Individuelle Welttheorie, die bei Ungeheuer stärker phänomenologisch
ausgebaut ist, und die bei Richter in der systemtheoretischen Situationstheorie
der Bedeutung eine eher psychologische Prägung erfahren hatte, erhält
in der personellen Erfahrungstheorie bei Juchem eine radikalkonstruktivistische
Wendung. Wie bei Mead, Schütz und Ungeheuer nimmt die Zeichenproblematik,
wenngleich mit je unterschiedlicher Perspektivierung, auch bei Juchem eine
festen Stellenwert ein, hier mit einer philosophischen, erkenntnistheoretischen
Wendung. Durch ihren Zeichencharakter wird Kommunikation zu einem Erkenntnisproblem;
und da eine philosophische Erkenntnistheorie nur in Auseinandersetzung
mit skeptischen Argumenten möglich ist, die die Möglichkeit des
Wissens allgemein leugnet (Grundmann/Stüber 1996:10), führt der
erkentnistheoretische Skeptizismus hinsichtlich des Erkenntniserwerbs auf
der Basis von Zeichen dazu, Verstehen aus dem Kommunikationsprozess auszuschliessen
und nur Verständigung zuzulassen (1985 III:22ff.). Hatte Ungeheuer
bei Fallibilität Verstehen nicht ausgeschlossen und seine Skepsis
(2. Ordnung) auf dessen Überprüfung gerichtet, so erweitert Juchem
die Skepsis auf den zeichenbasierten Wissenserwerb und gegenüber der
Identität von gemeinter und verstandener Bedeutung, eine limitierende
Grundbedingung, der erfolgreiche Kommunikation stets und grundsätzlich
unterworfen ist.
<h2>
<a NAME="mhl" ID="mhl">Literatur</a></h2>
<menu>
<li>
Grundmann, Thomas / Stüber, Karsten: Einleitung. In (dies., Hrsg.):
<i>Philosophie der Skepsis.</i> Paderborn 1996.</li>
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Zu einer skeptischen Theorie der Kommunikation. In: Kodikas / Code <i>16</i>,
1993: 415-428.</li>
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Helmut Richter. Frankfurt am Main: Lang 2000.</li>
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zu einer soziologischen Forschungstradition. In: Kölner Zeitschrift
für Soziologie und Sozialpsychologie <i>40</i>, 1988: 417-446.</li>
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Juchem, Johann G.: <i>Grundlagen der Soziologie: Zeichentheorien</i>. Studienbrief
für die Fernuniversität Hagen (GHS). Hagen 1985 (b).</li>
<li>
Juchem, Johann G.: <i>Konstruktion und Unterstellung</i>. Ein kommunikationstheoretischer
Versuch. Münster 1989.</li>
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Juchem, Johann G.: Der konfliktäre Charakter der Kommunikation: Zur
individuellen Welttheorie. Anhang zu: G. Ungeheuer, <i>Einführung
in die Kommunikationstheorie</i>. Kurseinheit für die Fernuniversität
Hagen. Hagen 1990.</li>
<li>
Juchem, Johann G.: Verstehen: ein aussichtsloses Unterfangen? Ungeheuer
und Leibniz. In: Krallmann/Schmitz 1998: 357-369.</li>
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Juchem, Johann G.: Das Gespräch: eine koordinierte Störung? In:<i>
Weisen der Welterzeugung - Die Wirklichkeit des Konstruktivismus II</i>.
Heidelberg 1998 (i. Dr.).</li>
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Juchem, Johann G. / Schmitz, H. Walter: Problematische Verständigung.
In memoriam Gerold Ungeheuer. In: Kodikas/Code <i>4/5</i>, 1982: 195-205.</li>
<li>
Käsler, Dirk (Hrsg.): <i>Klassiker der Soziologie. Band I. Von Auguste
Comte bis Norbert Elias</i>. München (Beck) 1999.</li>
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Mead, George Herbert: <i>Mind, Self, and Society from the standpoint of
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Morris. Chicago 1934 (1972, 18. Aufl.]. (Deutsch: <i>Geist, Identität
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herausgegeben von Charles W. Morris. Frankfurt am Main 1973)</li>
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Meyer-Eppler, Werner: Verständlichkeit und Verstehen in informationstheoretischer
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Morris, Charles W.: Introduction. In Mead 1934: 9-35.</li>
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Posner, Roland: Believing, causing, intending: The basis for a hierarchy
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Barend van Heusden, and Roland Posner (Hrsg.): <i>Signs, Search and Communication:
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Pückler, Constantin von: Die Struktur des Handelns und die Funktionen
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Essen 6.-8.7.1995. Münster (Nodus) 1998 I: 285-313.</li>
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Richter, Helmut / Weidmann, Fred: <i>Semantisch bedingte Kommunikationskonflikte
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Herausgegeben und eingeleitet von A. Brodersen. Den Haag 1964.</li>
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Schutz, Alfred: <i>Collected Papers. III: Studies in Phenomenological Philosophy</i>.
Herausgegeben von I. Schutz. Mit einer Einleitung von Aron Gurwitsch. Den
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Schutz, Alfred: <i>Collected Papers. I: The Problem of Social Reality</i>.
Herausgegeben und eingeleitet von Maurice Natanson. Mit einem Vorwort von
H. L. Van Breda. Den Haag 1967 (2. Aufl.).</li>
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Schütz, Alfred: <i>Gesammelte Aufsätze (GA). Bd. I. Das Problem
der sozialen Wirklichkei</i>t. Den Haag 1971a. Mit einer Einführung
von A. Gurwitsch und einem Vorwort von H.L.v.Breda.</li>
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Schütz, Alfred: <i>Gesammelte Aufsätze. Bd. II. Studien zur soziologischen
Theorie</i>. Den Haag 1972.</li>
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Schütz, Alfred: <i>Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt: Eine Einleitung
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Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas: <i>Strukturen der Lebenswelt. Bd.
I</i>. Frankfurt am Main 1979.</li>
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Schütz, Alfred / Luckmann, Thomas: <i>Strukturen der Lebenswelt. Bd.
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Shannon, Claude / Weaver, Warren: <i>The mathematical theory of communication.</i>
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Oxford (Blackwell) 1986 (1995 2. Aufl.).</li>
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Srubar, Ilja: Kosmion. <i>Die Genese der pragmatischen Lebenswelttheorie
von Alfred Schütz und ihr anthropologischer Hintergrund.</i> Frankfurt
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Ungeheuer, Gerold: Kommunikation und Gesellschaft [1969]. In ders.: <i>Sprache
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Ungeheuer, Gerold: Vorwort zu Richter/Weidmann 1975, IX-XIV.</li>
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Ungeheuer, Gerold: Grundlagen persuasiver Kommunikation (mit pädagogischen
Anwendungen). Eine Studie. Bonn 1978 (MS).</li>
<li>
Ungeheuer, Gerold: <i>Kommunikationstheoretische Schriften I: Sprechen,
Mitteilen, Verstehen</i>. Hrsg. von J.G. Juchem. Aachen 1987.</li>
<li>
Wenzel, Harald: <i>George Herbert Mead zur Einführung</i>. Hamburg
1990.</li>
</menu>
<hr><a NAME="foot1" HREF="#footback1"></a><a href="#footback1" NAME="foot1">1</a><b><sup>#</sup></b>
Siehe hierzu die entsprechende Festschrift, herausgegeben von Hess-Lüttich/Schmitz
(2000).
<p><a NAME="foot2" HREF="#footback2"></a><a href="#footback2" NAME="foot2">2</a><b><sup>#</sup></b>
Allerdings bleibt die Distanzierung versöhnlich insofern, als Schütz
selbst einen Gleichklang herstellt zwischen dem von ihm aufgestellten Begriff
des habituellen Typus und dem "behave" oder "habit" als "Invariantsetzung
der äusseren Verhaltensweisen oder Handelnsabläufe".
<p><a NAME="foot3" HREF="#footback3"></a><a href="#footback3" NAME="foot3">3</a><b><sup>#</sup></b>
"Das Designat steht für eine Klasse von Elementen (z.B. das Wort `Hund',
das alle konkreten Hunde, aber auch alle toten und noch zur Welt kommenden
Hunde bezeichnet." Das Denotat bezieht sich hingegen auf ein Element dieser
Klasse (das ein Zeichen denotiert): ("Das Wort `Hund' bezeichnet die Klasse
aller Hunde, es wird aber auch verwendet, um einen konkreten Hund zu bestimmen
..."), woraus folgt, dass jedes Zeichen designiert, aber nicht jedes Zeichen
ein Denotat hat ("Einhorn"). (1985 I:31)
<p><a NAME="foot4" HREF="#footback4"></a><a href="#footback4" NAME="foot4">4</a><b><sup>#</sup></b>
Meads Mitschriften (1934) hätten einer frühen Rezension zufolge
der entwicklungslogischen Rangfolge entsprechend "Society, Self, and Mind"
genannt werden müssen (v. Pückler 1999:382); gleichwohl ist,
wie Jonas ausführt, Meads Beitrag nicht als schlichte Umdrehung des
Verhältnisses von Individuum und Kollektiv - nun zu Gunsten des Kollektivs
- zu verstehen, sondern eher als Fokussierung interpersonaler Handlungsprobleme
(1988:424; zum Handlungsbegriff vgl. auch v. Pückler (1999)).
<p><a NAME="foot5" HREF="#footback5"></a><a href="#footback5" NAME="foot5">5</a><b><sup>#</sup></b>
Diese Differenz von individueller und sozialer Welttheorie korrespondiert
mit derjenigen Nicolai Hartmanns (Das Problem des geistigen Seins, 1933,
S. 261) zwischen Bewusstsein und Geist. Bewusstsein ist an das Individuum
gebunden, entsteht und vergeht mit ihm. "Niemand kann sein Bewusstsein
oder auch nur dessen einzelne Akte weitergeben. Niemand kann auch mit dem
Bewusstsein dem andern in das seinige eindringen. Das Bewusstsein isoliert
die Menschen, jeder hat seines für sich, unvertauschbar, unübertragbar."
Der Geist dagegen ist allen gemeinsam; sein Gehalt ist objekt und verbindet
die Menschen mit seinem expansiven Wesen.
</body>
</html>

