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Vortrag Lenders Freitag

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<title>Winfried Lenders: Axiomatik</title>

<BODY BGCOLOR=#ffffff>
<center>
<h1><b>Brauchen wir in der Kommunikationsforschung eine Axiomatik?</B></h1>

<h2>Winfried Lenders, Bonn</h2>
<h3>Vortrag auf dem Symposium anl�lich des 60. Geburtstags von J.G. Juchem<BR>
(unkorrigierte Vortragsfassung)</h3>
</center>
<p>&nbsp;
<br>&nbsp;
<br></p>

</P>
<P ALIGN="CENTER">
</P>
<P ALIGN="CENTER">
</P>
<P><a href="#wl0">0.&nbsp;Einleitung</a><BR>
<a href="#wl1">1.&nbsp;Zur Entstehung der Idee von Axiomatiken in den Geisteswissenschaften</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl_h">Exkurs: Hermeneutik</a><BR>
<a href="#wl2">2.&nbsp;Axiomatiken in der Kommunikations- und Sprachtheorie</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl21">2.1&nbsp;Die Rolle der Axiomatik in Karl B� Wissenschaftskonzept</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl22">2.2.&nbsp;Die Axiomatik von Paul Watzlawick (1967)</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl23">2.3.&nbsp;Auf B�und Watzlawick fu�nde Axiomatiken</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl24">2.4.&nbsp;Gerold Ungeheuers Axiomatik der Kommunikationsforschung</a><BR>
<a href="#wl3">3.&nbsp;Kritische Reflexionen �ie Notwendigkeit und den Status geisteswissenschaftlicher Axiomatiken</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl31">3.1.&nbsp;B� &quot;dritter Weg&quot;</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl32">3.2.&nbsp;Ungeheuers Auseinandersetzung mit Zwirner 1963, 1967 (1970)</a><BR>
<a href="#wl4">4.&nbsp;Zusammenfassung</a><BR>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="#wl_l">Literaturverzeichnis</a>
</P>
<br>&nbsp;
<br>&nbsp;

<H2 ALIGN="LEFT"> <a NAME="wl0" ID="wl0">0. </a>Einleitung</H2>
<P ALIGN="JUSTIFY">Das Thema dieses Vortrages, n�ich die Frage, ob wir in der Kommunikationsforschung eine
Axiomatik brauchen, entstand bei mir spontan im Kontext der kommunikationswissenschaftlichen Verstehenstheorie. Konkret war es die Besch�igung mit dem Hintergrund der Axiomatik
in der Sprachtheorie und in anderen Schriften von Karl B� Die Rolle dieser Axiomatik, ihre
wissenschaftshistorische Bedeutung und ihr Anspruch wurden in der Literatur vielfach gew� und Analysiert, z.B. von Kamp, Eschbach und Juchem. Doch nicht nur bei B� auch in
anderen bedeutenden Werken der neueren Kommunikationsforschung finden wir den Versuch
vor, Kommunikationswissenschaft axiomatisch zu begr�bzw. nach Art einer axiomatischen
Theorie darzustellen. Ich habe mir die Frage gestellt, was wissenschaftstheoretisch gesehen hinter diesen Versuchen steckt. Ist damit ein besonderer Anspruch verbunden, und wenn ja, welcher? Oder haben wir in diesen F�en von einem besonderen Begriff von Axiomatik auszugehen?
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">In den folgenden Ausf�en soll diesen Fragen nachgegangen werden. Ich m�e dazu
im ersten Teil kl�n, was eine axiomatisch aufgebaute Theorie ihrem Ursprung nach eigentlich
ist bzw. was darunter verstanden wird. Im zweiten Teil werde ich exemplarisch zeigen, wo es im
Bereich der Kommunikationsforschung axiomatische Theorien gibt und mit welchen Absichten
sie dort entwickelt wurden. Schlie�ich komme ich im dritten Teil auf die Frage zu sprechen, wozu wir axiomatische Theorien brauchen, wenn wir sie brauchen, und welche Alternativen es zu
ihnen gibt.
</P>
<H2 ALIGN="LEFT"> <a NAME="wl1" ID="wl1">1. </a>Zur Entstehung der Idee von Axiomatiken in den Geisteswissenschaften</H2>
<P ALIGN="JUSTIFY">Schon ein fl�er Blick auf B� Axiomatik und besonders auf den Plan der Axiomatik (1.
Abschnitt im ersten Teil der Sprachtheorie) zeigt, dass die Frage einer Axiomatik nicht ohne Bezug zu der allgemeineren Frage nach der Rechtfertigung der Geisteswissenschaften als Wissenschaften gesehen werden kann. Diese Frage war Thema der Philosophie und Wissenschaftstheorie mindestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie war zu B� Zeit, also im ersten Viertel
des 20. Jahrhunderts h�t aktuell. Sie besch�igte - in einer bis heute wirksamen Form - am
Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Gelehrte, die der ausgehenden Schule des Neukantianismus zuzurechnen sind.<B><FONT><SUP><SUP><A HREF="#foot1" NAME="footback1">1</A></SUP></SUP></FONT></B> Einige Namen, die hier genannt werden k�n, sind Wilhelm Dilthey in Berlin, aber auch Heinrich Rickert in Freiburg sowie Paul Natorp in Marburg. -
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Dilthey hat auf der Basis einer Geschichtsphilosophie und Erlebnispsychologie die Geisteswissenschaften als <B>verstehende</B> Wissenschaften, als hermeneutische Wissenschaften begr�
und sie den Naturwissenschaften als erkl�nde Wissenschaften gegen�stellt. Rickert hat,
ebenfalls auf der Basis geschichtsphilosophischer �erlegungen, die bekannte Unterscheidung
zwischen nomothetischen und ideographischen Wissenschaft getroffen.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">In diesem Zusammenhang war auch die Frage nach einer axiomatischen Begr� der
Geisteswissenschaften ein Hauptanliegen Rickerts. Sie war zugleich zentrales Thema der Marburger Schule des Neukantianismus und wurde dort von Hermann Cohen, Paul Natorp und partiell auch von Ernst Cassirer behandelt. Vor allem Natorp hat in dem 1910 erstmals erschienenen Buch &quot;Die Logischen Grundlagen der Exakten Wissenschaften&quot; den notwendig axiomatischen Aufbau der Wissenschaft, vor allem am Beispiel der Mathematik, er�rt. Konkretisiert
wurde dieses philosophisch begr� Programm durch den Mathematiker David Hilbert, der
1899 mit den &quot;Grundlagen der Geometrie&quot; eine ber�und bis in die 60er und 70er Jahre des
20. Jhts. einflu�eiche Schrift verfa�e. Im Anschlu�an diese �erlegungen stellte sich die Frage, ob nicht auch die Geisteswissenschaften, so wie die Naturwissenschaften, '<I>more geometrico</I>`
aufzubauen seien. '<I>More geometrico'</I>, das hei� vor allem, axiomatisch, also nach Art der axiomatisch aufgebauten euklidischen Geometrie.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Allerdings gab es - und dies muss erw�t werden - neben dieser Forderung nach einer
Axiomatischen Grundlegung der Wissenschaften auch in der Theorie der Mathematik eine gegenl�ige Entwicklung, den sogenannten Intuitionismus. Dieser wurde vor allem durch den
niederl�ischen Mathematiker L.E. J. Brouwer vertreten. Brouwer forderte eine ganz andere,
eine der axiomatischen entgegengesetzte, Art von Theorie. Es w� sicher lohnend, darauf n�her unter kommunikationstheoretischen Gesichtspunkten einzugehen. Denn es gab, wie H.W.
Schmitz in seiner Arbeit �ie Holl�ische Significa gezeigt hat, zwischen Brouwer und allgemeinen kommunikationstheoretischen, zeichentheoretischen �erlegungen enge Beziehungen.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die geschilderte Tradition, die von einer Axiomatisierbarkeit der Wissenschaften ausging
und diese als Aufweis ihrer Wissenschaftlichkeit geradezu forderte, durchzieht die moderne
Philosophie seit ihrer Begr� durch Ren�escartes. In der Nachfolge Descartes wurde es
�, auch nicht-mathematische Werke ,more geometrico` darzustellen.<B><FONT><SUP><SUP><A HREF="#foot2" NAME="footback2">2</A></SUP></SUP></FONT></B> So hei� z.B. die Dissertation Christian Wolffs von 1703: &quot;Dissertatio Philosophia practica universalis, mathematica
methodo conscripta&quot;. In sp�ren Schriften z.B. zur Ethik wurde aus dem Nachsatz ein &quot;...methodo scientifica pertractata&quot;. Man meinte damit, das Vorbild der euklidischen Geometrie,
nachahmen zu m� dass es n�ich Grunds�e a priori gebe, die keines Beweises bed�
und auf die alle Lehrs�e einer Theorie m� zur��erden k�n. 
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Es kann hier allerdings nicht diskutiert werden, wie weit die Reflexion dar�n der Zeit vor
Kant gef�urde und inwieweit der <I>'mos geometricus`</I> nicht in Wahrheit eher eine didaktische
Methode, eine Methode des <I>&quot;demonstratio&quot;</I> war, als eine wissenschaftstheoretische Grundposition.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Einen besonderen wissenschaftstheoretischen Standort erhielten axiomatische Theorien
durch Kant, und zwar durch die Unterscheidung zwischen synthetischen Urteilen a priori und
synthetischen Urteilen a posteriori. Nur die synthetischen Urteile a priori nannte Kant Axiome.
Sie sollten unbeweisbar sein, aber auch keines Beweises bed� weil sie ihre Erkenntnisgrundlage in der ,reinen Anschauung` finden. Nur einige wenige Wissenschaften, n�ich die
Mathematik und die Physik, hatten einen ,reinen` Teil, der sich auf solche Axiome gr�.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die Idee eines Primats der rationalen Verstandeserkenntnis und - damit verbunden - die
Forderung nach mathematischer bzw. geometrischer Darstellungsform und nach Axiomatisierung, diese Idee hat als Philosophie des Rationalismus mehrere Jahrhunderte lang so etwas wie
eine &quot;mainstream&quot;-Philosophie dargestellt und auch ihre Verdienste erworben.
</P>
<h3 ALIGN="JUSTIFY"> <a NAME="wl_h" ID="wl_h">Exkurs: Hermeneutik</a>
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">Diese Aussage muss allerdings sogleich relativiert werden, - und an dieser Stelle m�e ich mir
einen kleinen <B>Exkurs</B> in die Geschichte der Verstehenstheorie erlauben. Denn es gab neben den
rationalistischen Abs�en auch andere Traditionen, die eine Vorbildfunktion der Mathematik
eher verwarfen. Eine solche Tradition, die eine gewisse Bedeutung f� Gegenwart hat, will
ich kurz skizzieren.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Es ist die Tradition der Hermeneutik, die sich - in ihren modernen Anf�en - mit dem
Namen Friedrich Schleiermachers verbindet. Eine f�h interessante Stelle bei Schleiermacher betrifft seine Auseinandersetzung mit der Frage nach der Gewissheit einer Erkenntnis.
Schleiermacher unterscheidet dabei die Erkenntnis, die sich aus der Auslegung von Texten ergibt, nachdr�h von der mathematischen Erkenntnis. Die letztere Art, die mathematische
Erkenntnis, nennt er Erkenntnis mit demonstrativer Gewissheit, die erstere, die Erkenntnis aus
der Interpretation von Texten, Erkenntnis mit divinatorischer Gewissheit. Es ist weiterhin interessant zu sehen, dass Schleiermacher offenbar die Aufgabe der Hermeneutik nicht nur in der
Textinterpretation sieht, sondern ausdr�h eine Aufgabe der Hermeneutik im Alltagsgespr�, in der Alltagsrede sieht:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Denn wie vieles gibt es nicht, was wir nur wissen aus schriftlichen Aufs�en von gar
nicht sehr gro�m geistigen Gehalt, aus Erz�ungen, die sich gar sehr der Art n�rn,
wie wir auch im gemeinen Gespr� kleine Ereignisse vorzutragen pflegen, weit entfernt von kunstreicher Geschichtsschreibung, aus Briefen vom vertraulichsten und
nachl�igsten Stil; und doch kommen auch in diesen hermeneutische Aufgaben vor
von nicht geringer Schwierigkeit&quot; (a.a.O.).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">In Bezug auf die verschiedenen Erscheinungsformen von Kommunikation ist es seiner Ansicht
nach unm�ch, &quot;verschiedene Methoden oder Theorien gegeneinander abzugrenzen.&quot; Und
weiter zusammenfassend hei� es:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Ja, ich mu�noch einmal darauf zur�men, dass die Hermeneutik auch nicht lediglich auf schriftstellerische Produktionen zu beschr�en ist; denn ich ergreife mich sehr
oft mitten im vertraulichen Gespr� auf hermeneutischen Operationen, wenn ich mich
mit einem gew�ichen Grade des Verstehens nicht begn�ondern zu erforschen
suche, wie sich wohl in dem Freunde der �ergang von einem Gedanken zum andern
gemacht habe, oder wenn ich nachsp�it welchen Ansichten, Urteilen und Bestrebungen es wohl zusammenh�t, dass er sich �inen besprochenen Gegenstand
grade so und nicht anderes ausdr�uot; (136 f.).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Was Schleiermacher suchte, war im Grunde eine neue Theorie des Verstehens, eine neue Hermeneutik also, die &quot;keineswegs an dem f� Auge durch die Schrift fixierten Zustande der Rede&quot;
gebunden ist, sondern &quot;�l vorkommen&quot; soll, &quot;wo wir Gedanken oder Reihen von solchen
durch Worte zu vernehmen haben&quot; (137). Und er empfiehlt ausdr�h den &quot;Auslegern schriftlicher Werke&quot;, sich mehr in der Auslegung von Gespr�en zu �
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Insbesondere aber m�e ich ... dem Ausleger schriftlicher Werke dringend anraten,
die Auslegung des bedeutsameren Gespr�s flei�g zu �Denn die unmittelbare
Gegenwart des Redenden, der lebendige Ausdruck, welcher die Teilnahme seines ganzen geistigen Wesens verk�, die Art, wie sich hier die Gedanken aus dem gemeinsamen Leben entwickeln, dies alles reizt weit mehr als die einsame Betrachtung einer
ganz isolierten Schrift dazu, eine Reihe von Gedanken zu gleich als einen hervorbrechenden Lebensmoment, als eine mit vielen anderen auch anderer Art zusammenh�ende Tat zu verstehen&quot; (138).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Mit dieser Bemerkung erhebt Schleiermacher das Gespr� zwischen unmittelbar Redenden
�en isolierten Textes als wichtigeren Gegenstand der Hermeneutik hervor. Gespr�sanalyse erh� gleichsam Vorbildcharakter f�tanalyse, und es werden auch - in beinahe moderner kommunikationswissenschaftlicher Art - verschiedene Details benannt, auf welche bei einer solchen Gespr�sanalyse zu achten ist.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Mit dieser neuen Konzeption soll Hermeneutik nicht auf klassische Texte begrenzt, sondern
eine universale Technik sein, die auf Text und Rede anwendbar ist. Sie soll nicht ein Verfahren
des Verstehens sein, dass sich allein auf Texte in fremden Sprachen richtet oder allein auf Texte
von Schriftstellern. Dazu ist es notwendig, dass es zwischen dem Redenden und dem Verstehenden Gemeinsames gibt: w� der Redende dem Verstehenden fremd, sei es in der Sprache, sei
es in den sonstigen &quot;Operationen&quot; des Redenden, so kann die Aufgabe des Verstehens sogar
&quot;unaufl�ch&quot; sein. Grunds�lich kann Verstehen nicht Verstehen im objektiven Sinn, also
&quot;mit notwendiger Einsicht&quot;, sein, sondern es ist ein Verstehen, dessen man sich aus anderen
Gr�gewiss ist. Mit der Wendung &quot;Verstehen mit notwendiger Einsicht&quot; stellt Schleiermacher ausdr�h eine Beziehung zur rationalen, der Mathematik und Geometrie nachgebildeten Einsicht her. Ihr stellt er die Einsicht entgegen, auf die es beim Gespr� und beim Auslegen
von Texten ankommt, es ist die Einsicht &quot;mit divinatorischer Gewissheit&quot;. Es muss hier darauf
verzichtet werden, dieser ,anderen` Gewissheit nachzusp�da es mir um die Frage der Axiomatisierbarkeit gehen soll; aber es ist klar, dass es nicht um eine Theorie geht, die ihre Grundlage auf ,rationale`, apriorische, objektiv unbezweifelbare Axiome gr�
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die hermeneutische Tradition - mit der ihr eigenen Wissenschaftstheorie - fand vielfache
Fortsetzer. Der bedeutendste unter ihnen ist wohl Wilhelm Dilthey, der bisweilen als Vater der
modernen Geisteswissenschaften bezeichnet wird. Jedenfalls begreifen sich bis heute Geisteswissenschaften als verstehende, hermeneutische Wissenschaften.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die Geisteswissenschaften als hermeneutische Wissenschaften zu etablieren, war Dilthey
aber nicht m�ch, ohne eine wissenschaftstheoretische Begr� von Hermeneutik als Erkenntnismethode zu bieten. Ich m�e diese �erlegungen, die sich im wesentlichen in Diltheys &quot;Aufbaus der geschichtlichen Welt&quot; und in der unvollendeten Fortsetzung dieses Werks
finden, unter zwei Gesichtspunkten zusammenfassen. Zum <B>ersten</B> handelt es sich um �erlegungen zur <B>Methode</B> der Geisteswissenschaften, zum <B>anderen</B> um eine Theorie des Verstehens,
die allerdings eng mit der Methodenlehre verbunden ist.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Was die <B>Methoden</B> angeht, so ist Dilthey offenbar durchaus der Ansicht, dass Geisteswissenschaften - wie die meisten Naturwissenschaften - empirische Wissenschaften sind. 
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Der Geisteswissenschaftler hat auszugehen vom Gegebenen, vom sinnlich Aufgefa�en und
vom Erlebten. Von diesem ausgehend gelangt er �ehrere Stufen zu Erkenntnis. Durch
<B>Elementare Denkleistungen</B> hat er dieses &quot;Gegebene&quot; zu distinktem Bewu�sein zu bringen
(146 und 152), und zwar durch Vergleichen, Trennen und Abstrahieren. Das Gegebene wird sodann in den Vorstellungen <B>abgebildet</B>: Die Vorstellung ist durch ihr Bestreben eingeschr�t,
sich der Wirklichkeit anzugleichen. &quot;In dieser Richtung entstehen Totalvorstellungen und Allgemeinvorstellungen und bereiten eine neue Stufe des Bewu�seins vor&quot; (149). Das Abgebildete unterliegt schlie�ich dem <B>diskursiven Denken</B>: Dabei ist das diskursive Denkens an den Ausdruck, vor allem die Sprache gebunden. Denkformen sind Urteil, Begriff und Schlu�
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Dem Gegebenen, den Erlebnissen des gegenst�lichen Auffassens stehen also die <B>Repr�sentation</B> gegen�die durch die Stufenfolge von Leistungen zustande kommt. Repr�ntationen sind durch Zeit und Erinnerung vom Gegebenen gel� sind eine Auswahl aus dem Gegebenen: &quot;Zeit und Erinnerung (l�) das Auffassen aus seiner Abh�igkeit vom Gegebenen
los und vollziehen eine Auswahl des f� Auffassen Bedeutsamen&quot; (152). Durch diese L�ung vom Gegebenen werden das Bedeutsame, das Einzelne in seiner Beziehung zum Ganzen
und in seiner Unterordnung unter das Allgemeine sichtbar. &quot;Die Ver�erlichkeit des intuitiv
Gegebenen wird in einer Beziehung von Begriffen zu allgemeing�r Repr�ntation erhoben&quot; (153).
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Das Gegebene ist gleichsam die Empirie; sie wird im wahrnehmenden, denkenden, erkennenden Individuum umgesetzt in eine Repr�ntation.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Es hat nun den Anschein, als sei das gegenst�liche Auffassen und die Stufen der Repr�ntation den Wissenschaften gemeinsam, den Natur- und Geisteswissenschaften:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Dieselben Denkformen und dieselben ihnen untergeordneten Klassen von Denkleistungen erm�chen in den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften den
wissenschaftlichen Zusammenhang&quot; (145).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Wenn aber auch die Denkformen die gleichen sind, so unterscheiden sich Geistes - und Naturwissenschaften durch die Art ihrer Empirie: das Gegebene in den Natur- und Geisteswissenschaften ist seiner Art nach unterschieden. In den Naturwissenschaften sind die Gegenst�e in
Raum und Zeit, Ver�erungen von Gegenst�en, me� und z�bare Gr�, das &quot;Gegebene&quot;, die Empirie. Die Empirie der Geisteswissenschaften ist das <B>Leben</B>, die <B>Lebenserfahrung</B> des
einzelnen Individuums. In jedem Individuum entfaltet sich ein &quot;unendlicher Lebensreichtum&quot;,
auf der Grundlage der Bez�s Individuums zu seinem &quot;Milieu, anderen Menschen und Dingen&quot; (162). &quot;jedes einzelne Individuum steht im Kreuzungspunkt von Zusammenh�en&quot;. Nach
Dilthey machen diese Zusammenh�e die Gesellschaft und die Geschichte aus, in denen jeder
einzelne Mensch als &quot;geschichtliches Wesen&quot; seine Stellung hat,
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;seine Stelle in der Linie der Zeit, seinen Ort im Raum, seine Stellung im Zusammenwirken der Kultursysteme und der Gemeinschaften. Der Historiker mu�daher das ganze
Leben der Individuen, wie es zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort
sich �ert, verstehen, Es ist eben der ganze Zusammenhang, der von den Individuen,
sofern sie auf die Entwicklung ihres eigenen Daseins gerichtet sind, zu Kultursystemen
und Gemeinschaften, schlie�ich zu der Menschheit geht, der die Natur der Gesellschaft
und der Geschichte ausmacht&quot; (163/4).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Dilthey fordert also, wie hier deutlich wird, den R�g auf das Individuelle, auf die Stellung
des einzelnen in der Gemeinschaft. Das Leben in der Gemeinschaft ist ein Zusammenhang
gleichsam in diachronischer und synchronischer Hinsicht. Erkenntnis geht vom Einzelnen aus,
gelangt von dort �ie Abstraktion zum Allgemeinen. 
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Nun denkt Dilthey in erster Linie, wenn er Geisteswissenschaften meint, an Textwissenschaften, an Wissenschaften, welche die Lebens�erungen der Menschen in Texten vorfinden, also
im Grunde schon in einer Repr�ntation. Texte werden nicht betrachtet als Gegenst�e, als
Konvolute von Papierseiten etc., sondern Texte sind in Sprache gefa�e Inhalten. Das Gegebene
ist bereits erlebt, also kann das Erleben, das Auffassen des Gegebenen in den Geisteswissenschaften (als Textwissenschaften) nur in einem Nacherleben bestehen:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Nicht begriffliches Verfahren bildet die Grundlage der Geisteswissenschaften, sondern
Innewerden eines psychischen Zustandes in seiner Ganzheit und Wiederfinden desselben im Nacherleben. Leben erfa� hier Leben...&quot; (164). ... &quot;So bemerkt man auch an diesem Punkt eine durchgreifende Verschiedenheit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Dort entsteht die Sonderung unseres Verkehrs mit der Au�nwelt vom naturwissenschaftlichen Denken, dessen produktive Leistungen esoterisch sind, und hier erh� sich ein Zusammenhang zwischen Leben und Wissenschaft, nach welchem die gedankenbildende Arbeit des Lebens Grundlage f� wissenschaftliche Schaffen
bleibt&quot; (a.a.O.).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die Lebenserfahrung, das Erleben, die Erlebnisse des Einzelnen in der Gemeinschaft sind also
die Grundlage der Geisteswissenschaften. Das Verfahren, mit dem der Geisteswissenschaftler
dieses Gegebene erschlie�, ist das Verstehen. Verstehen ist dabei ein &quot;eigent�es methodisches Verhalten&quot;, das wir der Welt gegen�innehmen, jedoch nicht in dem Sinne, dass es eine
andere Art von Beziehung zwischen den Subjekt und dem zu erkennenden Objekt ist, sondern
derart, dass das zu Erkennende, das ��re, das dem Subjekt gegebene eine Lebenswelt ist, in
der ,Geist objektiviert` habe, ,Zwecke sich gebildet` und ein Verh�nis sich zwischen dem Subjekt
und dieser Welt gebildet habe. Dieses umfasst auch die interpersonalen Beziehungen. Das Verstehen anderer ist geradezu der Garant f� objektive Geltung es Verstehens: 
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Realit�n gehen ferner nicht nur in meinem Erleben und Verstehen auf: sie bilden den
Zusammenhang der Vorstellungswelt, in dem das Au�ngegebene mit meinem Lebensverlauf verkn�st: in dieser Vorstellungswelt lebe ich, und ihre objektive Geltung
ist mir durch den best�igen Austausch mit dem Erleben und dem Verstehen anderer
selbst garantiert...&quot; (141).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Dieses f� Geschichte der Kommunikationswissenschaft wichtige Detail wird von Dilthey
noch weiter pr�siert (S. 170 ff.). Dilthey kommt dabei auf eine &quot;zweifache Relation, die im Verstehen angelegt ist&quot; (173)- Er fa� diese folgenderma�n zusammen:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Das Verstehen setzt ein Erleben voraus, und das Erlebnis wird erst zu einer Lebenserfahrung dadurch, dass das Verstehen aus der Enge und Subjektivit�des Erlebens hinausf�n die Region des Ganzen und des Allgemeinen. Und weiter fordert das Verstehen der einzelnen Pers�chkeit zu seiner Vollendung das systematische Wissen, wie
andererseits wieder das systematische Wissen abh�ig ist von dem lebendigen Erfassen der einzelnen Lebenseinheit. Die Erkenntnis der anorganischen Natur vollzieht sich
in einem Aufbau der Wissenschaften, in welchem die untere Schicht jedesmal unabh�ig von der ist, die sie begr� in den Geisteswissenschaften ist vom Vorgang des
Verstehens ab alles durch das Verh�nis gegenseitiger Abh�igkeit bestimmt&quot; (173).
</P></blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Bei Dilthey wird, �lich wie bei Schleiermacher, Verstehen der historischen Zusammenh�e
in den Wissenschaften auf das individuelle Verstehen zwischen Menschen zur��,Kleinere` Formen der Kommunikation wie Gespr� und Rede sind das Vorbild. Weitere systematische Ausf�en dazu finden sich in einer Analyse des &quot;Verstehens anderer Personen und ihrer Lebens�erungen&quot; in der geplanten Fortsetzung des &quot;Aufbaus der geschichtlichen Welt&quot;,
Ausg. Riedel S. 252 ff.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Von Dilthey aus gibt es �en Begriff des Verstehens einen unmittelbaren �ergang zur
Philosophie Martin Heideggers.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Durch Heidegger wurde 1927 in Sein und Zeit eine Art Fundamentalhermeneutik eingef�die zugleich eine sogenannte Fundamentalontologie ist. Fundamental ist dabei, dass das
Verstehen mit der Seinsweise des Menschen selbst identifiziert wird (Fellmann). Basis sind die
beiden ersten Existentiale Heideggers, die im Dasein und im Mitsein des Menschen Grundbefindlichkeiten des Menschen sehen und die man beinahe als eine Art fundamentalontologische
Kommunikationstheorie verstehen k�e. Durch Hans Georg Gadamer wurde diese fundamentalontologische Sichtweise �mmen und das Verstehen zum wichtigsten Mittel der
Wahrheitsfindung. Es kam zu einem Universalit�anspruch der Hermeneutik. Die neuere Hermeneutik - Hermeneutik nach Gadamer - ist hier bescheidener; in ihr gibt es Str�gen, in
denen offenbar von einem solchen Zugang, der Verstehen als Seinsweise des Menschen auffasst, der Texten einen idealisierten Wahrheitsanspruch zuweist, immer mehr abgegangen wird.
An ihre Stelle tritt eine pragmatische Hermeneutik, die den Text hinsichtlich seiner Funktion als
Informationslieferanten und den Leser - und wohl auch den H� - als &quot;Nutzer&quot; sieht. Es ist
interessant, dass sich solche Tendenzen immer wieder auf Dilthey berufen.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Zur� unserem Thema: Wir k�n feststellen, dass es in der gesamten Neuzeitlichen
Philosophie, also in der auf Descartes zur�enden Philosophie der Moderne, neben dem
Mainstream-Approach des Rationalismus auch andere Traditionen gab, darunter die hermeneutische Tradition, die sich mit dem individuellen Leben und Erleben des Menschen befasste.
Ihre Methoden wurden erst um die Wende zum 20 Jahrhundert in wissenschaftstheoretischer
Hinsicht in Kontrast zu den naturwissenschaftlichen Methoden gebracht. Verst�licherweise
gab es in dieser Tradition keine axiomatischen Ans�e. Diese liegen eher da vor, wo sich eine
gr�e N� zu den Naturwissenschaften findet.
</P>
<H2 ALIGN="LEFT"> <a NAME="wl2" ID="wl2">2. </a>Axiomatiken in der Kommunikations- und Sprachtheorie</H2>
<h3><a NAME="wl21" ID="wl21">2.1. </a>Die Rolle der Axiomatik in Karl B� Wissenschaftskonzept
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die ist bei Karl B�der Fall, dessen ,kybernetische Grundlagen` schon Gerold Ungeheuer
eruiert hat und der weitere ,Axiomatisierungstendenzen` in den Sprachwissenschaften sicherlich
stark befl�. B�hat sich jedoch nicht unkritisch einer Axiomatik bedient, er hat sie - wissenschaftstheoretisch gesehen - zugleich auch in Frage gestellt.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Betrachten wir diese Zusammenh�e etwas genauer:
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Am Beginn der &quot;Sprachtheorie&quot; w� B�in einem historischen R�ck die Leistungen
der Sprachforschung des 19. Jahrhunderts, die er unter die Leitideen &quot;Vergleich und Geschichte&quot; stellt. Er denkt dabei vor allem an die historisch-vergleichende Sprachforschung. Aber, so
sagt er, in dieser Zeit habe es auch &quot;Prinzipienb�quot; gegeben, von denen er drei nennt, die
&quot;Prinzipien der Sprachgeschichte&quot; von Hermann Paul, die &quot;Grundfragen der Sprachforschung&quot;
von de Saussure und die &quot;Logischen Untersuchungen&quot; von Edmund Husserl (1900). Ich zweifle
nicht, dass B�diese Prinzipienb�als Axiomatiken gesehen hat; der Kontext seiner Argumentation legt dies nahe. Denn dass sie einem solchen Anspruch nicht gen� war nicht der
Grund, weshalb er mit ihnen unzufrieden war. Unzufrieden war er mit ihnen, weil sie seiner Meinung nach zu &quot;subjektivistisch&quot; seien, und das hei� in seinem Sprachgebrauch, dass sie zu sehr
auf nur eine Seite des Sprechereignisses, die des Sprechers, des Subjekts einer Sprachhandlung,
bezogen waren. In diesem Sinne spricht B�bei den drei Werken von &quot;Sackgassen der subjektivistischen Sprachanalyse&quot;. Er stellt diesen ,Sackgassen` ein neues Verst�nis von der Sprachforschung als Wissenschaft entgegen, dessen wichtigster Teil das Organonmodell ist.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Dieses neue Wissenschaftsverst�nis l� sich durch drei Merkmale charakterisieren:
</P>
<UL>
<LI>Die Linguistik ist erstens eine empirische Wissenschaft, denn sie geht von den &quot;spezifisch linguistischen Beobachtungen&quot; aus, den konkreten Sprechereignissen, dem flatus vocis, den
Schallwellen, dem Lautbild. Die erste Aufgabe der Sprachtheorie w� dann die noch nicht
vorliegende systematische und hinreichende Beschreibung des empirischen Vorgehens der
Sprachforscher. Wie B�im folgenden n�r ausf�hei� das, dass Sprachforschung
vom Beobachtbaren ausgeht, aber ihre Aussagen sicher nur auf der Grundlage von Proben
aus dem ganzen Reichtum der konkreten Daten gewinnen kann. Darin ist sie von den Naturwissenschaften nicht verschieden. Wie in den Naturwissenschaften, so ist es nun auch in der
Sprachforschung erforderlich zu fragen, wie und warum man von den Proben her das Ganze
wissenschaftlich erfassen k�. B�hat damit zweifellos das Programm der deskriptiven
Korpuslinguistik skizziert.</LI>
<LI>Zweitens mu�die Linguistik, will sie Wissenschaft sein, im Sinne Kants axiomatisch aufgebaut werden. In der Frage jedoch, wie die Axiome abzuleiten seien und ob ihre Zahl vollst�ig zu sein hat, geht er einen anderen Weg als Kant. Er h� es nicht f�ngsl�ig, dass es
sich um Grunds�e a priori handeln m�die man vor der betreffenden Erfahrungswissenschaft m�ufstellen k�n, sondern er will die Grunds�e &quot;aus dem Bestand der erfolgreichen Sprachforschung selbst durch Reduktion&quot; gewinnen (B�1934: 20). In diesem
Verfahren bezieht er sich auf David Hilbert, den erfolgreichsten Vertreter des axiomatischen
Denkens (vgl. dazu Kamp 1984: 57 ff.). Seine, B�, Axiome seien mit einem Wort Kants
&quot;aufgerafft&quot; und vorl�ig. Ein Anspruch auf Vollst�igkeit der Axiomatik, wie ihn Kant gefordert habe, bestehe nicht.<B><FONT><SUP><SUP><A HREF="#foot3" NAME="footback3">3</A></SUP></SUP></FONT></B> Die Axiome oder Ersts�e der Wissenschaft sollen gewonnen
werden, indem &quot;die regulativen Forschungsideen systematisch&quot; aufgezeigt werden, &quot;welche
die eigenartigen sprachwissenschaftlichen Induktionen leiten und beseelen&quot; (B�1934:
12). </LI>
<LI>Schlie�ich ist Linguistik drittens f�ler eine verstehende Wissenschaft, denn der
&quot;sprachforschende Beobachter&quot; mu�- anders als der Physiker - &quot;das mit Ohren und Augen
erfa�e&quot; verstehen (a.a.O. 12), und dieses Verstehen mu�ein methodisches Verstehen sein.
Es k�e sein, dass dieser Aspekt der B�chen Wissenschaftslehre in der Vergangenheit
zu wenig ber�htigt worden ist.</LI>
</UL>
<P ALIGN="JUSTIFY">Mit diesen drei Merkmalen - die B�zwar am Beispiel der Sprachforschung aufstellt, die
aber wohl f�e Geisteswissenschaften gelten k�n, will er die von Kant aufgebrachte Fragestellung beantworten, die f� Sprachforschung lauten k�e: Wie ist Sprachwissenschaft
m�ch? Ganz ausdr�h will er damit vor Rickert zur�en, im besonderen vor dessen
Festlegung auf die Unterscheidung aller Wissenschaften in zwei Gruppen, nomothetische und
idiographische Wissenschaften. Er will zu der Ausgangsfrage zur�ie sich auch Rickert stellt,
und die er als eine Frage der Wissenschaftslehre bezeichnet. Sie lautet, wie und warum die
Sprachforschung imstande sei, &quot;ein wohlumschriebenes, aber an konkreten Bestimmtheiten unaussch�ares Gebiet von Tatsachen, das Gebiet der konkreten Sprechereignisse, f� wissenschaftliche Einsicht ebenso zu einem Kosmos zu gestalten, wie das dem Physiker mit seinen
Mitteln f�ne, wie das jeder geschlossenen Erfahrungswissenschaft oder Gruppe von Erfahrungswissenschaften f�en Ausgangspunkt mit einem immer wieder etwas anderen, dem Gegenstand angepa�en Begriffsapparat gelingt&quot; (a.a.O. 16/17).
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Im Hinblick auf diese Frage schl� B�vor, die Begriffswelt des Sprachforschers zu untersuchen. Die Wissenschaftslehre der Sprachforschung mu�sich dabei selbst klarwerden �die Art und Weise, wie sie ihre Grunds�e gewinnt, wie sie diese anordnet und begr� Im
Grunde ist damit ein Anspruch erhoben, wie er auch von Kant bez� der Fundierung einer
Wissenschaft erhoben wird.
</P>
<h3><a NAME="wl22" ID="wl22">2.2. </a>Die Axiomatik von Paul Watzlawick (1967)
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">1967 haben Paul Watzlawick, J.H. Beavin und D.D. Jackson in ihrem Buch &quot;On Human Communication&quot; eine ber�ewordene Axiomatik von f�iomen vorgelegt, die ich hier nicht wiederholen m�e, weil sie allgemein bekannt sind. Diese Axiome werden von ihren Autoren als
&quot;pragmatische Axiome&quot; bezeichnet. Sie sollen die &quot;einfachsten Eigenschaften der Kommunikation&quot; aufzeigen, &quot;die im Bereich des Zwischenmenschlichen wirksam sind&quot; (S. 50). Leider finden
sich keine Ausf�en �en theoretischen Status solcher Axiome, es wird allerdings festgestellt: &quot;Ob diese Grundeigenschaften wirklich als Axiome des von uns postulierten pragmatischen Kalk�gesprochen werden d� ist beim gegenw�igen Stand unseres Wissens eine
Offene Frage.&quot; Es handele sich um &quot;provisorische Formulierungen, die weder Anspruch auf
Vollst�igkeit noch auf Endg�eit erheben k�n. Ihrer theoretischen Schw�e k�n
wir aber ihre praktische N�hkeit gegen�ellen.&quot; (a.a.O.)
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Das hei� mit anderen Worten, dass zwar im Hintergrund die Idee eines gleichsam apiorischen Prinzipiensystems als das eigentliche w�are besteht; es ist ja auch von einem ,postulierten pragmatischen Kalk�e Rede, als von etwas berechenbarem; aber das, was vorl�ig
als Grunds�e formuliert wird, wird aus Gr�der Pragmatik formuliert, aus Gr�der
praktischen N�hkeit.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Wir k�n diesen Topos der Vorl�igkeit in allen kommunikations- und sprachwissenschaftlichen Axiomatiken beobachten, ein Faktum, das gerade f�steswissenschaftliche
Axiomatiken symptomatisch ist und auf das noch zur�ommen ist.
</P>
<h3> <a NAME="wl23" ID="wl23">2.3. </a>Auf B�und Watzlawick fu�nde Axiomatiken
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">Unter Berufung auf Watzlawick - ebenso wie auf Karl B�- sind in der Zeit nach 1970
&quot;Axiomatiken&quot; der Kommunikation bzw. der Kommunikationswissenschaft entstanden, und -
aufbauend auf diesen Axiomatiken - z. T. auch ,Anwendungen` formuliert worden. Es war eine
Zeit, in der z.B. in der Didaktik die Erziehung zur ,Kommunikativen Kompetenz` auf dem Programm stand, ein Thema, zu welchem zahlreiche kommunikationsdidaktische �erlegungen
entstanden sind. 1973 ver�ntlichte Dieter Baacke im 4. Kapitel seines Buches &quot;Kommunikation und Kompetenz. Grundlegung einer Didaktik der Kommunikation und ihrer Medien&quot;, 2.
Aufl. M� 1975, eine Liste von 14 Axiomen der Kommunikation, mit denen er sich auf Watzlawick bezog, die aber ausdr�h eine Erweiterung von dessen f�iomen darstellen sollte. 
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">�er den Status dieser Axiome sagt Baake - wieder mit Bezug auf Watzlawick -, sie seien
nicht logisch, sondern faktisch wahr: sie erg�n sich aus empirischer und ph�menologisches
Forschung und deren Verallgemeinerung zur Theorie. Die Liste der Axiome wird als heuristisch
aufgefasst, sie habe orientierenden Charakter.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Gleichfalls in einem orientierenden Sinn sind die Axiome B� und Watzlawicks durch
Friedemann Schulz von Thun zu einem umfassenden Kompendium &quot;Miteinander reden&quot; verarbeitet worden. Reflexionen �en Status von Axiomen finden sich dabei nicht.
</P>
<h3><a NAME="wl24" ID="wl24">2.4. </a>Gerold Ungeheuers Axiomatik der Kommunikationsforschung
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">Die �ersicht vorl�ig abschlie�nd m�e ich mich im folgenden kurz mit axiomatischen Ans�en im Werk Gerold Ungeheuers befassen.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Ungeheuer hat zu wiederholen Malen theoretische �erlegungen auf Axiome, Prinzipien
oder Postulate gegr�oder zumindest seine grundlegenden Aussagen in solche m�lassen. Am pr�antesten hat er wohl den axiomatischen Ansatz in den Jahren 1963 folgende favorisiert. So kursierte seit 1963 in hektographierter Form ein Papier mit dem Titel &quot;Abstrakten
Kommunikationsmodell&quot;, das 1965 erstmals ver�ntlicht wurde und das dem Aufsatz &quot;Grundri�einer Kommunikationswissenschaft 1968 in den IKP-Forschungsberichten angeh�t wurde. Ich selbst habe im SS 1966 eine Vorlesung Ungeheuers geh� in der diesen &quot;Grundriss einer Kommunikationsforschung&quot; in der sp�r ver�ntlichten Form vorgestellt hat. In der
59-seitigen Ver�ntlichung von 1968 werden in Kapitel III 14 &quot;S�e der Kommunikationswissenschaft&quot;, darunter &quot;2 Haupts�e&quot; und ein &quot;methodischer Grundsatz der Kommunikationswissenschaft&quot; vorgetragen, bevor im Anschluss an Kapitel IV das &quot;abstrakte Kommunikationsmodell&quot; entwickelt wird. Dieses ist, gerade so, wie es eine mathematische Axiomatik vorsieht,
aus Axiomen, Definitionen, Theoremen und Lehrs�en aufgebaut. In der erw�ten Vorlesung gab es eine modelltheoretischen Einbettung, die in der Ver�ntlichung von 1968 fehlt
und in der Ungeheuer zwei Arten der Anordnung der Aussagen eines Modells unterscheiden:
Bei der ersten Art handele es sich um das logische Modell, in welchem aus den Aussagen Axiome ausgew�t und alle anderen Aussagen rein logisch aus diesen abgeleitet werden; ein solches
Modell, das eine axiomatische Ordnung der Aussagen aufweist, hat Ungeheuer hier auch ein
axiomatisches Modell genannt. Der zweite Modelltyp ist das algebraische Modell, das Symbole
als Marken f� Gegenst�e enthalte. Dazu hat Ungeheuer z.B. Chomskys Theorie einer
Generativen Grammatik oder die Logik Paul Lorenzens gez�t. Sein eigenes Modell, auf das
ich inhaltlich nicht eingehe, bezeichnet er als ,abstraktes Modell` und will es als eine Verbindung
von logischem (=axiomatischem) und algebraischem Modell verstanden wissen (aus eigenen
Vorlesungsnotizen referiert).
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">In der ver�ntlichten Fassung hat es den Anschein, als habe Ungeheuer den axiomatischen
Aufbau aus Gr�der Darstellung gew�t: Axiomatisierung bezeichnet er als einen synthetischen Proze� &quot;Im Gegensatz zu dem analytischen Verfahren bei der Beschaffung einer ersten
Liste von Grundbegriffen ist die Konstruktion eines abstrakten Modells ein synthetischer Proze� Man geht aus von einigen wenigen Grundbegriffen, die mit dem Ph�menbereich zusammenh�en, und einer formalen Sprache, die nur logische Konstanten enth�, wie es im wesentlichen bei jeder axiomatischen Darstellung einer Theorie der Fall ist&quot; (S. 36 (248).
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Gerold Ungeheuer hat sich sp�r diesem Modell gegen�her distanziert ge�ert, wie
er auch ganz allgemein die axiomatische Methode relativiert hat, worauf noch einzugehen sein
wird. Er hat aber �r - vielleicht eher aus didaktischen oder argumentativen Gr�- ausdr�h bestimmte S�e als Grunds�e oder Postulate bezeichnet, so die Postulate von 1968
in &quot;Paraphrase und syntaktische Tiefenstruktur&quot; (zuerst als Kursunterlage f� Linguistischen Sommerkurs in Kiel, 1968; 1969 in <I>Folia Linguistica</I> ver�ntlicht).
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Ungeheuer hat sich wenig sp�r grunds�lich �ie Notwendigkeit und den Nutzen von
Axiomatiken ge�ert, und zwar in einer Auseinandersetzung mit Eberhard Zwirner, in dem
Beitrag &quot;�er wissenschaftliche Arbeit und Wissenschaft, am Beispiel linguistischer Disziplinen&quot;. In: <I>Bibliotheca Phonetica</I> 9 (1970), 1-8.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Bevor ich dazu komme, kehre ich zu Karl B�zur�d frage, welches eigentlich seine
Beweggr�eim Entwurf der Axiomatik der Sprachwissenschaft waren, welchen Status seine
Axiome haben und welchen Gewinn er daraus zu ziehen hoffte.
</P>
<H2 ALIGN="LEFT"><a NAME="wl3" ID="wl3">3. </a>Kritische Reflexionen �ie Notwendigkeit und den Status geisteswissenschaftlicher Axiomatiken</H2>
<h3><a NAME="wl31" ID="wl31">3.1. </a>B� &quot;dritter Weg&quot;
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">F�ler kann man feststellen, dass es im Trend der Zeit lag, die Frage Kants nach der M�chkeit bestimmter Wissenschaften, n�ich der reinen Mathematik, der reinen Naturwissenschaft
und der Metaphysik (KrV B20/21) auch auf andere Gebiete auszudehnen, die sich zwar nicht auf
apriorische Grunds�e berufen k�n, die aber doch eine geschichtliche Entwicklung und einen betr�tlichen Erwerb von Wissen und Erkenntnis aufzuweisen haben. Wenn B�in der
,Krise der Psychologie` 1927 nach der M�chkeit der Psychologie fragt, so tut er dies in einem
bestimmten Entwicklungszustand der Psychologie, und er will aus der Entwicklung der Psychologie die allgemeinsten Prinzipien ableiten, auf die sie sich als Wissenschaft gr�kann. In gleicher Weise hat z.B. Dilthey aufgrund der unleugbaren Fortschritte in der Entwicklung der Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert (Dilthey 1981: 108 ff.) gefordert, &quot;den entstandenen Zusammenhang der Geisteswissenschaften in Begriffen darzustellen und erkenntnistheoretisch zu
begr�quot; (a.a.O. 124). Er hat dabei - ebenso wie B�- grundlegende Begriffe der Kantischen Philosophie anders oder neu formuliert. Es galt, der Kantischen Fixierung auf die apriorischen Grundlagen der Wissenschaften, auf den mathematischen Charakter der Wissenschaften,
eine neue Sichtweise entgegenzusetzen, die sich aus der geschichtlichen Dimension der Geisteswissenschaften speiste.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">B�hat also bei der �ertragung auf Psychologie und Sprachwissenschaft Axiome <B>grundlegend</B> anderes definiert, ein Umstand, auf den auch in der Literatur schon hingewiesen wurde:
</P>
<ol>
<li ALIGN="JUSTIFY">Axiomensysteme sind nicht auf die von Kant so genannten reinen Wissenschaften begrenzt
und Axiome sind nicht nur als synthetische Urteile a priori denkbar. In den Erfahrungswissenschaften sind Axiome wissenschaftliche Ersts�e, zu denen man durch Analyse des Fortschritts
einer Wissenschaft kommen kann und f� es zweckm�g ist, sie dem Theoriegeb�e der
betreffenden Wissenschaft voranzustellen.
</li>
<li ALIGN="JUSTIFY">Man hat zwar bei B�bisweilen den Eindruck, eine sehr enge Anlehnung an den Axiomenbegriff im Kantischen Sinne zu suchen, wenn er n�ich - in der Krise der Psychologie -
auch f�ne Axiome eine ,transzendentale Deduktion` fordert, wie Kant sie f� Ableitung
der reinen Verstandesbegriffe durchf�vgl. Lenders 2000). Eine genaue Analyse zeigt aber,
dass B�den von Kant entwickelten Typus des transzendentalen Beweisgangs von den apriorischen Formen der Anschauung und den Verstandesbegriffen auf die Axiome nicht-apriorischer Erfahrungswissenschaften wie Psychologie und Sprachforschung eben nur ��. Sein
Anspruch an Axiome ist ein anderer als Kants. B� Axiome sind nicht zeitlos-gleichbleibend, endg�und auf systematischem Wege gewonnen, sie &quot;sch�n ihre logische Dignit�
keineswegs aus dem Nachweis ihrer Apriorit�quot; (B�1934: 19), sondern werden durch eine
&quot;rein ph�menologische Explikation oder als eine erkenntnistheoretisch (und ontologisch)
neutrale Fixierung&quot; gewonnen (a.a.O. 20). Kurz: sie sind ,aufgerafft` (a.a.O. 21), wie B�unter Aufnahme eines Wortes von Kant sagt, ,aufgerafft` im Sinne des Aristoteles und nicht vollst�ig im Sinne einer strengen Systematik, wie Kant es forderte.
</li>
<li ALIGN="JUSTIFY">Schlie�ich stellt gerade die B�che Einordnung der transzendentalen Deduktion einen neuen Weg in der Begr� der Geisteswissenschaften vor Augen, den Kamp als &quot;sozusagen eine dritte Richtung abseits der beiden historisch konkurrierenden Grundauffassungen
des Axiom-Begriffs&quot; (Kamp 1984: 60) bezeichnet hat. Axiome sind einerseits regulative Prinzipien, Leits�e, die wie Kamp es formuliert, &quot;das induktiv-methodische Vorgehen der empirischen Forschung&quot; regulieren und als ,Induktionsbasis` (a.a.O. 61) fungieren; sie sind andererseits ,aufgerafft`, ergeben sich aus der Sichtung der Begriffe und des bisherigen Fortschritts einer Wissenschaft und bed�einer Beweisf�, aus der sie im Lichte des Fortschritts einer
Wissenschaft hervorgehen.
</li></ol>
<h3><a NAME="wl32" ID="wl32">3.2. </a>Ungeheuers Auseinandersetzung mit Zwirner 1963, 1967 (1970)
</h3>
<P ALIGN="JUSTIFY">Zu durchaus �lichen Schlu�olgerungen kommen wir, wenn wir uns jetzt n�r mit der Ungeheuerschen Auseinandersetzung zu gewissen Axiomatisierungstendenzen der 60-er Jahre befassen.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Ungeheuer bezieht sich auf mehrere Artikel Eberhard Zwirners, von denen einer, der von
1967, nicht nur durch seinen Umfang herausragt, sondern auch deshalb, weil er in der bekannten Festschrift f�an Jacobson erschienen ist. Das Motiv der Arbeiten Zwirners ist darin zu
sehen, dass offenbar das Bed� bestand, der Phonetik als Wissenschaft ein st�eres Fundament zu geben. Ganz �lich war Ungeheuers Motiv bei der Abfassung seines abstrakten Kommunikationsmodells die Konstitution der Kommunikationsforschung als wissenschaftliche Disziplin.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Zwirner hat seinen genannten Beitrag in drei Teile gegliedert, die er mit den �erschriften
&quot;1. Wissenschaftsgeschichtlicher Teil&quot;, 2. Wissenschaftstheoretischer Teil&quot; und 3. Axiomatischer
Teil&quot; versah. Im ersten Teil hat er sich vor allem mit dem Fortschritt der Sprachwissenschaft im
19. Jahrhundert und seit Saussure befa�. Der zweite Teil enth� einige Reflexionen dar�
dass wir eine Wissenschaftstheorie brauchen, die z.B. das Verh�nis der Linguistik zur Literaturwissenschaft und Geschichte kl�. Der dritte Teil enth� schlie�ich insgesamt neun Axiome, von denen die ersten drei &quot;allen Wissenschaften gemein sind&quot;, (2457), w�end drei weitere
und nochmal drei weitere Gruppen von Wissenschaften begr� F�rner haben diese
Axiome apriorische G�eit. Sie konstituieren, wie Ungeheuer paraphrasiert, &quot;Aspekte an
den Erfahrungstatsachen, welche den jeweiligen Gegenstandsbereich der Wissenschaften definieren. Sie begr�aber auch das System der (autonomen) Wissenschaften&quot; (Ungeheuer
1967; Ausg. 1972, 164). Zwirner bezieht sich bez� der Apriori�der Axiome auf Kant, er
h� offenbar eine ersch�nde linguistische Axiomatik f�lich (2456). Von den Axiomen
verlangt er, &quot;dass sie die Autonomie der entsprechenden Wissenschaft begr� indem sie zugleich den Topos dieser Wissenschaft im System der autonomen Wissenschaften bestimmen&quot;
(2455. Zwirner ist nicht so mutig, seine vorgeschlagenen Axiome als endg�zu bezeichnen. Er
bezeichnet sie - mit Ausnahme der ersten drei - als ,vorl�ig`, sieht ihre endg� Etablierung aber als Aufgabe einer Wissenschaftstheorie an.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Nach kurzer Skizze der Zwirnerschen �erlegungen bringt Ungeheuer zun�st vier Einw�e vor: Man d�icht Kant akzeptieren, aber Wissenschaftstheoretische Ans�e der letzten 50 Jahre, z.B. Carnap (Untersuchungen zur Allgemeinen Axiomatik, 1928. Hrsg. von Thomas Bank und Jesus Mosterin. WBG Darmstadt, 2000), ignorieren. Man d�icht aus den
Kantischen System Begriffe und Kategorien herausnehmen und in einen anderen Kontext stellen; Ungeheuer nenn dies ,kontextlose Begriffsdisposition`. So sei z.B. der Begriff der`reinen
Wissenschaft` bei Kant mit dem der ,autonomen Wissenschaft, wie Zwirner ihn verwende, nicht
identisch. Weiterhin seien die Zwirnerschen Axiome nicht durch eine ,transzendentale Analyse
abgeleitet, sondern durch Evidenz aus gewissen wissenschaftlichen Fakten gewonnen. Und
schlie�ich seien die Axiome selbst fragw�
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Nach diesen Einw�en legt Ungeheuer seine eigene Position dar. Dazu beschreibt er erstens eine typische Situation am Ende der 60-er Jahre, einen beinahe zwanghaften Dringe, ein
Themengebiet als Wissenschaft zu etablieren. Man ertappe man sich, so hei� es, oft bei der Frage, &quot;ob der gerade untersuchte Gegenstand eine neue Wissenschaft bildet oder zu der einen
oder anderen bereits etablierten Disziplin geh�quot; (167). Ungeheuer sah sich in Bezug auf die
Themen der Kommunikationsforschung oft in dieser Situation; Zwirner sah sich in dieser Situation hinsichtlich der Phonetik, und bez� der LDV bzw. Computerlinguistik war die Lage
nicht anders. Auch heute stellt sich diese Frage oftmals angesichts der immer weiter wachsenden Zahl von Forschungsgebieten, Disziplinen und Bindestrich-Wissenschaften. 
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Angesichts dieser Situation kommt Ungeheuer zu einer radikal anderen Auffassung, Gleichsam zu einer L�g dieses gordischen Knotens:
</P>
<blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">&quot;Ich neige heute dazu, das Problem der Ziehung und Bestimmung von Wissenschaftsgrenzen als ein Scheinproblem zu betrachten, das sich gerade durch die philosophischen Hypostasierungen der Wissenschaften zu Gr� h�er Art nach dem Vorbild
der platonischen Ideen verh�et hat. In Konsequenz k� ich mich nicht darum,
welche Wissenschaft ich betreibe, zu welcher ich geh� und wie ihre Grenzen zu ziehen sind.&quot;
</P>
</blockquote>
<P ALIGN="JUSTIFY">Ungeheuer hat es abgelehnt, sein wissenschaftliches Arbeiten in einem System der Wissenschaften zu etablieren, sich in die Schublade einer Systematik einordnen zu lassen. Diese Ablehnung
ging bis zur Weigerung, DFG-Vordrucke auszuf� die eine solche Systematik vorgaben.
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Man kann jedoch diese Probleml�g Ungeheuers nicht als Absage an wissenschaftliche
Strenge und Prinzipien interpretieren, sondern nur als Abkehr von jederlei dogmatischer Wissenschaftsbegr� und Wissenschaftsklassifikation. Seine Forderungen an eine Wissenschaften lauten andere: &quot;Zwei Dinge scheinen mir jedoch die unabdingbaren Voraussetzungen
f�e sinnvolle Bet�gung als Wissenschaftler zu sein:
</P>
<ol><li ALIGN="JUSTIFY">das Vorhandensein einer Problemstellung ...
</li>
<li ALIGN="JUSTIFY">die Setzung von Maximen f� wissenschaftliche Arbeit.&quot;
</li></ol>
<P ALIGN="JUSTIFY">F�des stellt er klare Bedingungen auf, die es verbieten, die Besch�igung mit der L�g
von Alltagsproblemen als Wissenschaft zu bezeichnen. 
</P>
<H2 ALIGN="LEFT"><a NAME="wl4" ID="wl4">4. </a>Zusammenfassung</H2>
<P ALIGN="JUSTIFY">Was haben wir im Hinblick auf die Frage &quot;Brauchen wir in der Kommunikationsforschung eine
Axiomatik?&quot; gewonnen?
</P>
<P ALIGN="JUSTIFY">Wir k�n diese Frage nun differenziert beantworten: 
</P>
<ol><li>
<P ALIGN="JUSTIFY">Der Begriff &quot;Axiomatik&quot; hat, wie er im Umkreis der Philosophie I. Kants im Bereich der
Begr� der Mathematik und der Physik eruiert worden ist, besonders in seiner Anwendbarkeit auf geisteswissenschaftliche Fragen eine Wandlung erfahren. Schon B�hat Axiome
nicht als apriorische Prinzipien von reinen Wissenschaften aufgefa�, sondern unter seiner
Axiomatik Prinzipien einer Erfahrungswissenschaft verstanden, die aufgerafft und aus dem erfolgreichen Verlauf einer Wissenschaft zusammengestellt werden. �nlich wurden Axiom und
Axiomatik auch von anderen verwendet. Selbst in der Mathematik ist Axiomatisierbarkeit umstritten, und es lassen sich f� Aufbau einer wissenschaftlichen Theorie auch andere Modelle als axiomatische finden.
</P></li>
<li><P ALIGN="JUSTIFY">Man k�e nun auf den Idee kommen, Axiomatiken, wie sie bisher von B�bis Watzlawick entwickelt worden sind, als untaugliche Versuche und als Irrwege anzusehen. Dem steht
mancherlei entgegen. Vor allem steht dem entgegen, dass Axiomatiken zur Kl�ng vielf�iger
Zusammenh�e gedient haben und weiterhin dienen. &quot;Axiomatiken&quot; verm� es, grundlegende Zusammenh�e zu fixieren und derartige Grundlegende Einsichten zu Leitlinien werden zu lassen f�auf aufbauende Handlungsanweisungen. Denken wir hier z.B. nur an die
sehr fruchtbare Weiterentwicklung der Watzlawickschen Axiome zu Gespr�anleitungen, etwa
der von Friedemann Schulz von Thun. Oder denken wir an die prinzipiellen Aussagen �ie
Natur des sprachlichen Kommunikationsprozessen, wie sie sich in Juchems Kommunikationstheorie finden, etwa die prinzipielle Fallibilit�von sprachlicher Kommunikation, der notwendig konflikt� Charakter der Kommunikation oder die notwendige Bindung von Kommunikation und Vertrauen. Ich denke also, dass wir nicht auf die grundlegenden Aussagen verzichten
k�n, die sich aus dem Fortschritt einer Wissenschaft ergeben. Wir sollten uns aber davor h�, einen so anspruchsvollen, Geschichts- und theoriebelasteten Begriff wie den der Axiomatik, daf�verwenden.
</P></li>
<li><P ALIGN="JUSTIFY">Wenn wir die Frage nach einer Prinzipienlehre oder Axiomatik, in welcher Form auch immer stellen, so bewegen wir uns damit zwangsl�ig in einem Paradigma, das durch die rationalistische Wissenschaftstheorie gepr� ist. Wir kommen dabei in Schwierigkeiten, denn einerseits
wollen wir Axiome oder Prinzipien, andererseits k�n wir den damit eigentlich verbundenen
Anspruch der Apriorit�nicht einl�. Vielleicht besteht f� Geisteswissenschaften eine
L�g des Problems darin, sich der rationalistischen Tradition hinauszubewegen und einem
Vorschlag Stephen Toulmins folgend, sich vor Descartes, vor den mos geometricus zur�egeben, etwa zu Michel de Montaigne. 1990 hat Stephen Toulmin in seinem Buch &quot;Cosmopolis.
The Hidden Agenda of Modernity&quot; (dt. als &quot;Kosmopolis - Die unerkannten Aufgaben der Moderne&quot;, Frankfurt (Suhrkamp) 1994) in bestechender Klarheit die Probleme der sogenannten
Moderne mit nicht-naturwissenschaftlichen Fragestellungen durch den auf Descartes zur�enden Rationalismus erkl�. Toulmin verweist vor allem auf die Essais des Michel de Montaigne. Montaigne hat im dritten Teil seiner Essais von 1588 eines der umfangreichsten Kapitel der
,Erfahrung` widmet. Es geht darin um mehrere gro� Themen der Wissenschaften, um die Abneigung gegen das Finden von Gesetzen, um die Betonung des Singul�n, nicht vergleichbaren:
&quot;Ich betrachte also, wenn ich stolpre, nicht den Stein als Ursache (und das gilt f�es, was mir
mit Menschen wie mit Dingen widerf�t), sondern lerne daraus, meinem Gang nicht �en
Weg zu trauen und ihn daher in Zucht zu nehmen&quot; (542). Es geht um das Misstrauen gegen die
Methode der Wissenschaft: &quot;Die Wissenschaftler sind es, die ihre Ideen zergliedern und bis ins
kleinste mit spezifischen Begriffen umgrenzen..&quot; (543). Es geht um die Einbeziehung des H�ers: &quot;Das Wort geh�halb dem, der spricht, und halb dem, der angesprochen ist&quot; (549).
Schlie�ich geht es um die Ablehnung der ,Spitzfindigkeiten`, der vielfachen Auslegungen mit
dem Ziel, die Wahrheit zu finden. Hieraus ergibt sich eine Wissenschaftssicht, der es nicht um
Gesetze und Regeln geht, sondern um L�gen f� Einzelfall. Nicht kontextunabh�ige
Formulierungen, wie sie der Rationalismus propagierte, sind gefragt, sondern Kontextualisierungen. Das neue Wissenschaftsverst�nis fa� Toulmin in vier Punkten zusammen, der R�r zum M�hen, der R�r zum Besonderen, der R�r zum Lokalen und der
R�r zum Zeitgebundene. Es f�t auf, dass die Elemente dieser vier Punkte beinahe vollz�ig im Programm der Bonn Kommunikationsforschung aufgehen, wie sie von Ungeheuer
und Juchem gepr� sind. Darin haben auch Prinzipien und Grunds�e ihren Platz, aber es
m�nicht gleich Axiome sein.
</P></li></ol>
<H2 ALIGN="LEFT"> <a NAME="wl_l" ID="wl_l">Literaturverzeichnis</a></H2>
<ul>
<li>B� Karl (1918): Kritische Musterung der neuern Theorien des Satzes. In: <I>Indogermanisches Jahrbuch</I>.
Hrsg. von Wilhelm Streiberg und Alois Walde, VI. Band, Berlin und Leipzig: Vereinigung Wissenschaftlicher Verleger, 1-20.
</li>
<li>B� Karl (1927): <I>Die Krise der Psychologie</I>. Jena: G. Fischer. 3. Aufl. Mit einem Geleitwort von Hubert
Rohracher, Stuttgart: G. Fischer, 1965. Reprogr. Nachdruck Berlin/Frankfurt/Wien: Ullstein 1978.
</li>
<li>B� Karl (1934): <I>Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache</I>. Stuttgart: Gustav Fischer Verlag.
Mit einem Geleitwort von Friedrich Kainz, Stuttgart: G. Fischer 1965. Reprogr. Nachdruck Berlin/Frankfurt/Wien: Ullstein, 1978.
</li>
<li>Dilthey, Wilhelm (1981): <I>Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften</I>. 1910. Einleitung von Manfred Riedel. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
</li>
<li>Eschbach, Achim, Hrsg. (1984): <I>B�Studien</I>. 2 Bde., Frankfurt: Suhrkamp.
</li>
<li>Eschbach, Achim (1998): Gerold Ungeheuers B�tudien. In: Dieter Krallmann / H. Walter Schmitz
(Hrsg.): <I>Perspektiven einer Kommunikationswissenschaft</I>. Internationales Gerold Ungeheuer-Symposium, Essen 6.-8.7.1995, 2 Bde., M�: Nodus Publikationen, 329-340.
</li>
<li>Hilbert, David (1899): <I>Grundlagen der Geometrie</I>. Leipzig und Berlin: B.G. Teubner. 3. durch Zus�e und
Literaturhinweise von neuem vermehrte Auflage 1909.
</li>
<li>Humphrey, G. (1951): <I>Thinking, An Introduction to ist Experimental Psychology</I>. London/New York.
</li>
<li>Kamp, Rudolf (1984): Axiomatische Leitf�n statt dogmatischer G�elb�er. Karl B� Beitrag
zur Wissenschaftstheorie der Einzelwissenschaften. In: Eschbach (Hrsg.), 40-97.
</li>
<li>Kant, Immanuel (KrV): <I>Kritik der reinen Vernunft</I>. [Erste Auflage, 1781. (A); Zweite Auflage, (B)]. Zitiert
nach: Immanuel Kant: Werke in sechs B�en. Hg. v. Wilhelm Weischedel. Bd. II. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1956.
</li>
<li>K�e, Klaus Christian (1986): <I>Entstehung und Aufstieg des Neukantianismus. Die deutsche Universit�philosophie zwischen Idealismus und Positivismus</I>. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
</li>
<li>Natorp, Paul (1910): <I>Die Logischen Grundlagen der Exakten Wissenschaften</I>. Leipzig und Berlin: B.G.
Teubner.
</li>
<li>Rickert, Heinrich (1929): <I>Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. Eine logische Einleitung
in die historischen Wissenschaften</I>. T�n: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), 1. Aufl. 1902, 5. verbesserte,
um einen Anhang und ein Register vermehrte Auflage 1929.
</li>
<li>Ungeheuer, Gerold (1967): Die kybernetische Grundlage der Sprachtheorie von Karl B� In: <I>To Honor Roman Jakobson</I>. The Hague: Mouton, 2067-2086.
</li></ul>

<HR>
<A NAME="foot1" HREF="#footback1">1</A><B><SUP><A>#</A></SUP></B> Zur Entstehung des Neukantianismus vgl. K�e 1985. Die philosophische Landschaft des
beginnenden 20. Jahrhunderts war weithin bestimmt von Pers�chkeiten wie Edmund Husserl, Benno
Erdmann und Ernst Cassirer, die sich alle auf Immanuel Kant bezogen und die alle auch ihren geh�en
Einflu�auf B�ausge�ben. In der Psychologie war zu B� Studienzeit nach wie vor Wilhelm
Wundt beherrschend, der im Jahre 1890 sein mehrb�iges Werk &quot;V�rpsychologie&quot; ver�ntlichte,
dessen erste beiden B�e mit dem Titel &quot;Die Sprache&quot; durch Sprachwissenschaftler wie Dellbr�Wegener, H. Paul heftig diskutiert wurde. In der experimentellen Psychologie beherrschte Hermann
Ebbinghaus das Bild mit seiner Assoziationspsychologie und seinen experimentellen empirischen
Untersuchungen �as Ged�tnis, �ie Prozesse des Lernens und Behaltens. Ebbinghaus
befa�e sich nicht mit &quot;h�en mentalen Prozessen&quot;, d.h. mit den Prozessen, die ablaufen, wenn ein
Individuum empfangene ��rungen zu verstehen versucht (vgl. Humphrey: &quot;Thinking&quot;, 1951).
Kennzeichnend f� Situation im Bereich der Psychologie war auch Wilhelm Wundts Gr� eines
psychologischen Laboratoriums in Leipzig, 1879. Wundts Assistenten waren damals zun�st Catell,
danach O. K�862-1915, der nach 1890 damit begann, den experimentellen Ansatz auch auf die
&quot;h�en&quot; Prozesse des Denkens und Wissens auszudehnen (W�ger denkpsychologische Schule).
Von Seiten der Sprachwissenschaft wurde B�stark beeinflu� von der psychologisch orientierten
Sprachwissenschaft Heymann Steinthals (1823-1889), ferner von dem Begr�der
V�rpsychologie, Lazarus, der historisch-vergleichenden Sprachforschung, den Junggrammatikern
und ab 1900 von den strukturalistischen Schulen im Anschlu�an Saussure.<P>
<A NAME="foot2" HREF="#footback2">2</A><B><SUP><A>#</A></SUP></B> vgl. Giogio Tonelli: Der Streit �ie mathematische Methode in der Philosophie in der ersten
H�te des 18. Jahrhunderts und die Entsteheung von Kants Schrift �ie &quot;Deutlichkeit&quot;. In: Archiv
f�losophie <I>9</I> (1959), 37-66. Ferner: H.-J. der Vleeschauwer: More geometrico demonstratum. In:
<I>Communications of the University of South-Africa</I> 1969, Pretoria 1961.<P>
<A NAME="foot3" HREF="#footback3">3</A><B><SUP><A>#</A></SUP></B> Hier ist zu bemerken, dass Kant im Zusammenhang mit Axiomen das Wort &quot;aufgerafft&quot; gar nicht
verwendet. Vielmehr taucht das Verb &quot;aufraffen&quot; in der Passage auf, die sich unmittelbar an die Kategorientafel anschlie�, in der Kant sein Verfahren, die Kategorien zu finden, von dem des Aristoteles abgrenzt. Von diesem sagt Kant, es sei eines scharfsinnigen Mannes wie Aristoteles w�r Anschlag,
&quot;diese Grundbegriffe aufzusuchen. Da er aber kein Principium hatte, so raffte er sie auf, wie sie ihm aufstie�n&quot; (KrV B 107, A 81).<P>


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