Prosodiebeurteilung und Reduktionsanalyse
(DFG-Projekt; Fortsetzungsprojekt zu "Prosodiegenerierung für die Sprachsynthese")
In der gesprochenen Sprache gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen inter- und intraindividuellen Realisierungen eines Lautes. Laute, die in Isolation gesprochen werden oder in einem neutralen Kontext, werden als ideale Laute betrachtet und als kanonische Realisierungen bezeichnet. Unter Reduktion wird hier eine Abweichung vom idealen Laut verstanden. Verschiedene Faktoren, z.B. Situation, Kontext, Sprechstil, führen zu einer Abweichung von der kanonischen Form.
Ziel war es, ein Klassifikationssystem für Reduktionen zu entwickeln, das ausschließlich auf perzeptiven Urteilen beruht. Von besonderen Interesse ist die Beschreibung von Vokalreduktionen, da - im Gegensatz zu Konsonanten - bei Vokalen eine Abweichung der Artikulatoren von der Zielstellung im Vokaltrakt zu einem wahrnehmbaren Qualitätsunterschied führt, die Lautkategorie jedoch häufig erhalten bleibt. Durch das Klassifikationssystem sollen Unterschiede bezüglich der perzipierten Vokalqualität möglichst genau, aber auch zuverlässig beschrieben werden können. Reduktionen von Vokalqualitäten sollen möglichst fein differenziert und in Stufen (von nicht reduziert bis stark reduziert) eingeteilt werden.
Das Klassifikationssystem für Reduktionen wurde anhand gelesener Äußerungen (Bonner Prosodische Datenbank) entwickelt. Die wahrgenommene Reduktionsstärke wurde mit linguistischen Faktoren (z.B. der Wortklasse, dem semantischen Gehalt) sowie perzeptiver Prominenz in Beziehung gesetzt. Eine weitere Sprachdatenbank mit verschiedenen Sprechern, Sprechstilen (spontan vs. gelesen) und Sprechgeschwindigkeiten wurde erstellt. An diesem Korpus sollte das Klassifikationssystem für Reduktionsphänomene validiert werden. Sprecherspezifische Unterschiede und Unterschiede aufgrund der Lesart wurden untersucht.
Die Untersuchungen zur Prosodiebeurteilung bauten auf die abgeschlossenen Arbeiten von Gerit Sonntag zur Evaluation von Prosodie mithilfe der PURR-Methode auf. Geplant ist die Erstellung eines Kategoriensystems für prosodische Qualität. Für die notwendigen Untersuchungen wird ebenfalls die erstellte Sprachdatenbank verschiedener Sprecher, Sprechstile und Sprechgeschwindigkeiten verwandt.

